Mit Retinol effektiv gegen Falten, Akne & Pigmentflecken

Vielleicht kein Wundermittel, aber nah dran – Retinol (Vitamin A) kann scheinbar alles, was wir uns für unsere Haut wünschen: weniger Falten, weniger Pickel, weniger Hyperpigmentierung.

Durch eine langfristige und regelmäßige Anwendung von Retinolprodukten soll die Haut praller, widerstandsfähiger, gleichmäßiger und jünger werden. All das kann es, weil es die Neubildung der Hautzellen stimuliert und somit das Erneuerungstempo wieder einem Level annähert, das wir zuletzt in der Jugend hatten.

Effekte durch kontrollierte Irritation

Was so viel kann, muss einen Haken haben. Der ganze Verjüngungsprozess erfolgt, indem die Haut kontrolliert irritiert wird. Wie ein leichter aber aufrüttelnder Arschtritt, der sie an “alte Zeiten” erinnert und zur Produktion von neuem Kollagen und Elastin animiert.

Ob die Intensität der Reizung mit dem Produkt der Wahl ein Punkttreffer ist, kann man vorher nicht wissen. Wohl oder übel wird man sich an die Dosierung, die zur eigenen Haut passt, zunächst herantasten müssen. Zu Beginn der Anwendung kommt man um Nebenwirkungen selten herum.

Purging: Anfangs-Irritation

Die Haut muss an das Potential von Retinol zunächst gewöhnt werden. In den ersten Wochen, je nach Konzentration, Anwendung und Hauttyp, sollte man damit rechnen, dass die Haut reagiert, oder aber eine deutliche Sensibilität zeigt.

Ist die Irritation zunächst zu stark, reagiert die Haut womöglich mit

  • Schuppen
  • Rötungen
  • Sensibilität
  • entzündeten, schmerzhaften Pickel (vor allem in Kombi mit reichhaltiger Pflege)

Nicht abschrecken lassen: bei starken Reaktionen Dosierung oder Häufigkeit reduzieren aber nicht sofort aufhören!

War der Impuls zu schwach und es bleiben negative Effekte aus – besteht das Risiko, dass man langfristig keine Erfolge sehen wird. Das kann einerseits frustrieren, andererseits einfach vergeudetes Budget sein.

Wer effektives Anti-Aging durch Retinol anstrebt, sollte sich daher in den ersten Monate an dieser feinen imaginären Linie entlangarbeiten, bis man potente Dosen dauerhaft verträgt.

Retinoide: Arten von Retinol

Retinol per se bezeichnet das Vitamin A1, das sowohl in der Kosmetik, als auch in der Ernährung eine Rolle spielt. Je nach chemischen Prozessen und kombinierten Molekülen wird aus dem eigentlichen Retinol ein anderer Stoff.

Es sind Produkte mit allen Retinoiden auf dem Markt erhältlich und ihre Wirkung kann man as hierarchisch aufgebaut ansehen.

RetinoidINCI*Konzentrationenentspricht ca. TretinoinBeschreibung
Retinsäure:
Vitamin-A-Säure
Tretinoin
verschreibungspflichtig
00.025 – 0.1%1:1Gold-Standard,
besterforschter Stoff bei Akne und Anti-Aging
Granactive RetinoidHydroxypinacolone Retinoate1min. 0.1%unbekanntDerivat des Alitretinoins (Geschwisterform des Tretinoins);
Wenig irritierend
Vitamin-A-AldehydRetinal10.05 – 1%10:1Weniger irritierend als Tretinoin
Vitamin A1Retinol20.025 – 1%20:1Weniger irritierend als Tretinoin, Gold Standard für Kosmetika
Retinol-EsterRetinyl Palmitate
Retinyl Acetate
Retinyl Propionate
Retinyl Linoleate
3min. 0.5%

ineffektiv
unbekannt (schlechter als 30:1)Datenlage ist schwach zu Derivaten, Anti-Aging nur in Ausnahmefällen zu erwarten
Retinol-Retinsäure-EsterRetinyl Retinoate1min. 0.06%unbekanntNach der Umwandlung wird jeweils 1:1 Retinol und Tretinoin freigesetzt, wenig Daten zur Effektivität
polyaromatisches RetinoidAdapalene (Differin)
verschreibungspflichtig
min. 0.1%4:1Keine Umwandlung in Tretinoin; für Akne Patienten entwickelt bei weniger Irritationspotential
polyaromatisches RetinoidTazarotene
verschreibungspflichtig
min. 0.1%1:1Keine Umwandlung in Tretinoin; vergleichbare Effektivität, aber höhere Irritationspotential als Tretinoin
* Umwandlungsschritte in der Haut

Retinol-Derivate

Der Einstieg in eine langjährige Retinol-Routine sollte mit einer relativ geringen Dosierung erfolgen, um die Haut an die Reizung zu gewöhnen. Um Schlimmeres zu vermeiden, lockt es mit den schwächeren Derivaten zu beginnen. Man kann damit schließlich nicht viel falsch machen. Das stimmt, sie gelten als sehr verträglich und stabil. Leider gilt das auch für den Effekt: keine Irritation – keine positiven Resultate.

Es ist ungewiss, zu wie viel Retinol unsere Haut einen Retinol-Ester umwandeln kann.

Nicht nur werben Hersteller strittigerweise mit “Retinol” auf Produkten, in denen eigentlich kein Retinol per se enthalten ist – sie führen mit Prozentangaben in die Irre. Zahlen wie “10% Retinol(-derivat)” klingen, als würde schon genug Retinol zurückbleiben. Aber auch das entstandene Retinol muss dann weiterverarbeitet werden.

Erfahrungen zeigen, dass nicht nur Nebenwirkungen, sondern auch Effekte wegbleiben. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass man die Haut schon anfängt auf höhere Dosen vorzubereiten.

Einstieg in Retinol

In zahlreichen Studien über Jahrzehnte hinweg konnte beobachtet werden, dass Retinol ab einer Konzentration von 0,025% wirkt. Mit diesem Level sollte mindestens begonnen werden. Es gibt Produkte mit 0,01% Retinol, was als wirklich sehr gering gilt. Wer sehr empfindlich reagiert und vorsichtig sein möchte, kann damit loslegen. Der Nutzen dürfte sich jedoch in einem ähnlichen Bereich von Derivaten bewegen.

Ein Start mit 0,1% Retinol ist in den meisten vermutlich effizienter. Die Irritation sollte überschaubar intensiv sein. Statt mit geringeren Dosen vorzubereiten, macht es viel mehr Sinn in die Hautbarriere zu investieren und die Auswirkungen der Reizung mit passenden Produkten gering halten.

Retinol Vitamin A Molekül Struktur

Serviervorschlag

Das Produkt wird entsprechend der Herstellerempfehlung auf gereinigte aber trockene Haut aufgetragen. Handelt es sich um ein Serum, kann bei trockener Haut nach ca. 10 Minuten eine passende Creme aufgetragen werden.

  • mit 0,1% Retinol zweimal die Woche starten – zwei bis drei Wochen lang beobachten
  • treten keine unerwünschten Reaktionen (mehr) auf, erhöht man die Frequenz auf ca. jeden zweiten Tag für zwei bis drei Wochen
  • keine Reaktion: tägliche Anwendung für zwei bis drei Wochen
  • ist das Produkt noch nicht aufgebraucht, kann man strategisch an der Anwendung schrauben (siehe nachstehend)
  • mit nächst höherer Konzentration starten im anfänglichen Rhytmus usw.
  • treten sehr starke Reaktionen auf, geht man einen Schritt zurück

Morgens oder abends

Retinol ist photosensitiv, reagiert also bei Sonneneinstrahlung und kann sich dann kontraproduktiv verhalten. Aus diesem Grund wurde stets empfohlen es nur abends anzuwenden. Das kann Sinn machen, um morgens den Fokus auf Antioxidantien wie Vitamin C zu legen, kann mancher Routine aber auch im Wege stehen.

Sonnenschutzmittel schützen jedoch sowohl unsere Haut, als auch das Retinol vor UV-Strahlung. Da die Anwendung von Retinol mit täglichen Sonnenschutz einhergehen sollte, ist der Wirkstoff dadurch ebenfalls geschützt.

Die Haut selbst wird durch Einsatz von Vitamin A nur geringfügig lichtempfindlicher, was sich sofort durch Sonnenschutz ausgleichen lässt. Nach wenigen Wochen Anwendung lässt der Effekt wieder nach, sodass ein Absetzen im Sommer nicht nötig beziehungsweise sogar kontraproduktiv ist, weil man im Herbst mit der Eingewöhnung der Haut von Neuem starten muss.

Perfekte Sidekicks

Alles, was Entzündungsprozesse minimiert, eignet sich, um die Anwendung von Retinol zu begleiten. Darüber hinaus gibt es Wirkstoffe, die die Wirkung unterstürzen können.

  • Panthenol »
    hervorragend, weil es die Regeneration begünstigt und Entzündungen hemmt.
  • Niacinamide »
    weil es die Hautbarriere stärkt
  • Antioxidantien », z.B. Grünteeextrakt (antienzündlich)
    weil sie die Haut im sensiblen Zustand vor neuen Schäden schützen; von irritierenden, wie Vitamin C sollte man in der Einstiegsphase zumindest im selben Anwendungsschritt verzichten.
  • Peptide »
    Ebenfalls Anti-Aging und dabei besonders umgänglich – zusammen mit Retinol ein Power Duo, das sich nicht im Wege steht.
  • Ceramide »
    weil sie die Hautbarriere auffüllen.
  • Sonnenschutz »
    die tägliche Anwendung in ausreichender Menge ist bei Anwendung von Retinol unerlässlich, weil sowohl die Irritation, als auch die beschleunigte Erneuerung die Haut anfälliger für UV-Schäden machen. Ohne SPF ist es ein Kampf gegen Windmühlen.
  • BPO »
    Bei Akne mit stark bakteriellem Einfluss. Die Wirkung gegen Akne erhöht sich, allerdings auch die Hautreizung. BPO kann auch nur 15 Minuten aufgetragen und wieder abgewaschen werden.

Feinjustierung

Um die Balance aus Irritation und Effekt in Einklang zu bringen, gibt es Methoden über die Dosierung und Konzentration von Retinol hinaus, die man sich zunutze machen kann. Man sollte sich ihrer Bewusst sein, um auch nicht unnötig Produkte zu wechseln, weil man vermutet sie nicht zu vertragen: die Anwendung kann die Ursache von Problemen sein. Wiederum kann man folgende Änderungen vornehmen, um auf ein neues Wirk-Level zu kommen:

  • Haut vor Anwendung befeuchten, z.B. mit Toner oder Spray – je mehr Feuchtigkeit in der Haut, umso tiefer kann das Retinol einziehen und intensiver wirken
  • Nach dem Befeuchten unterschiedlich lang warten: je länger man wartet, umso geringer die Irritation
  • Nach der Anwendung eincremen – je reichhaltiger die Creme, umso größer die Okklusion, desto intensiver die Reizung, aber auch das Eindringen des Retinols
  • Befeuchten und Cremen unterschiedlich kombinieren
  • Okklusion kann auch durch Wärme und Druck eines Kissens erfolgen – wer seitlich auf dem Gesicht liegt, sollte die Anwendung des Retinolproduktes einkalkulieren und gegebenenfalls lange vor dem Zubettgehen anwenden

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DIRTY BEAUTY TALK mit Magi & Marek – jeden Sonntag um 11 Uhr (und manchmal auch donnerstags)…

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