Hyaluronsäure in der Hautpflege

Anti-Aging?

Hyaluronsäure wird gern in einem Atemzug mit Anti-Aging genannt und hat zudem das Image, etwas Besonderes, Kostbares zu sein. Verdient es diesen Ruf?

Spätestens mit dem Skincare Hype ist Hyaluronic Acid (HA) oder eines seiner Salze sehr vielen Skincare-Produkten in jeder Preiskategorie zu finden – sei es unterstützend zu einem aktiven Wirkstoff. Von „hochpreisiger Rarität“ kann man nicht mehr wirklich sprechen. Sicherlich auch aus diesem Grund gibt es immer wieder Hyaluron-Innovationen, die noch bessere Penetration versprechen. An Hyaluron zu tüfteln, scheint sich für die Beauty-Industrie zu lohnen.

Hyaluronsäure in Hautpflege

Hyaluronsäure ist Bestandteil unserer Haut. Es kann viel Wasser binden und daher die Feuchtigkeitsversorgung begünstigen. Bestenfalls sorgt eine intakte Hautbarriere dafür, dass die zugeführte Feuchtigkeit der Haut lange zur Verfügung steht und nicht umgehend verdunstet (Stichwort: TEWL »). Hautpflege mit zum Hauttyp passendem Lipidgehalt ist die naheliegende Alternative.

Es handelt sich bei Hyaluronsäure um ein Polymer, das sich in langen Ketten anordnet – oder im Falle des Crosspolymers als Netz. Praktisch bedeutet es, dass Hyaluronsäure im Zusammenspiel mit Wasser zu einem Gel andickt. Eine Haut mit viel Hyaluronsäure ist daher prall und straff. Aber auch in im Auge und Gelenken (als Schmiermittel) kommt die Struktur zum Einsatz.

Abgebautes Hyaluronsäure in der Haut können Produkte mit Hyaluronsäure allerdings nicht wieder auffüllen.

Hyaluronic Acid Melekularstruktur

HA in Skincare funktioniert zwar nach demselben Prinzip, jedoch nur in den oberen Hautschichten und wird abends wieder abgewaschen. In klinischen Studien konnte zwar natürlich auch eine optische Faltenminimierung beobachtet werden. Als aktiver Anti-Aging-Wirkstoff, wie es z.B. Retinol oder Vitamin C tun, spielt Hyaluronic Acid jedoch keine wesentliche Rolle.

Unterschiedliche Molekulargrößen

Hyaluronsäure wird in unterschiedlichen Molekulargrößen in Kosmetik eingesetzt. Je größer, umso mehr verdickt sie und bindet mehr Wasser. Das sorgt zwar einerseits für mehr verfügbare Feuchtigkeit und einen potenziell stärker aufpolsternden Effekt. Zugleich beeinflusst es die Textur unvorteilhaft.

Aus diesem Grund wird hochmolekulare Hyaluronsäure nie zu mehr als 1% Konzentration in Hautpflegeprodukten eingesetzt, weil es sonst zu stark geligen Texturen kommen würde. Produkte würden sich dann nur schwer verteilen lassen, klebrig im Finish sein und dazu tendieren, sich abzurollen.

Niedermolekulare Hyaluronsäure verdickt nicht so stark, stellt aber entsprechend weniger Wasser bereit. Je kleiner das Molekül, umso tiefer kann HA in die Haut einziehen. Doch beschränkt sich dies stets auf die Hornschicht der Haut und nicht die tieferliegenden, in denen sich die hauteigne HA befindet. Denselben Trugschluss kennen wir bereits vom Kollagen der Haut versus dem in Produkten.

Gerne werden unterschiedliche Molekulargrößen der Hyaluronsäure kombiniert, um sich die jeweiligen Vorteile zunutze zu machen. „Multi-molecular Hyaluronic Acid“ (unabhängig vom Anbieter) klingt fancy, innovativ und durchaus logisch – also optimale Voraussetzungen für ausschweifende PR-Texte!

Die derzeit kleinsten Hyaluronsäuren auf dem Markt (mit Namen wie Oligo-Hyaluronsäure, MiniHA oder Nano Hyaluronic Acid) können tiefer in die Haut einziehen, jedoch ebenso beschränkt auf das Stratum corneum (Hornschicht), auch wenn Aussagen wie „dringt tiefer in die Haut“ einem unter Umständen etwas Anderes, Invasiveres suggeriert. Das muss nicht zwangsläufig negativ interpretiert werden.

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Preis ca. 49,00
Inhalt:
30ml 18€ / 100ml
Shades:
2
Made in
Canada
Aqua, Hydrolyzed Yeast Extract, Glycerin, Hyaluronic Acid, Sodium Hyaluronate, Sodium Butyroyl Hyaluronate, Sodium Hyaluronate Crosspolymer, Hydrolyzed Sodium Hyaluronate, Disodium Acetyl Glucosamine Phosphate, Tetradecyl Aminobutyroylvalylaminobutyric Urea Trifluoroacetate, Pseudoalteromonas Exopolysaccharides, Tamarindus Indica Seed Gum, Tremella Fuciformis Sporocarp Extract, Ceratonia Siliqua Gum, Myristoyl Nonapeptide-3, Plantago Lanceolata Leaf Extract, Salvia Sclarea Extract, Arginine, Aspartic Acid, Glycine, Alanine, Serine, Valine, Isoleucine, Proline, Threonine, Histidine, Phenylalanine, PCA, Sodium PCA, Betaine, Sodium Lactate, Epigallocatechin Gallatyl Glucoside, Gallyl Glucoside, Algae Extract, Sodium Salicylate, Lecithin, Polyglucuronic Acid, Xanthan Gum, Trisodium Ethylenediamine Disuccinate, Sclerotium Gum, Pullulan, Cetyl Hydroxyethylcellulose, Propanediol, Pentylene Glycol, Dimethyl Isosorbide, Citric Acid, Magnesium Chloride, Silica, Polysorbate 20, Ethoxydiglycol, Propyl Gallate, Dehydroacetic Acid, Benzyl Alcohol, Potassium Sorbate, Sodium Benzoate, Ethylhexylglycerin, 1,2-Hexanediol, Caprylyl Glycol, Phenoxyethanol.
Ohne Gewähr – entscheidend sind die Angaben auf der Produktverpackung.
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Hyaluronsäure kann irritieren

Hyaluronic Acid gilt generell als äußerst verträglich. Beim Einziehen in die Haut kann es jedoch zu Irritationen kommen – ebenfalls abhängig von der Molekülgröße. Je nach Empfindlichkeit der Haut kann das tiefere Penetrieren durch kleinere Partikel reizen. Hochmolekularer Hyaluronsäure konnten wiederum aktiv entzündungshemmenden Eigenschaften nachgewiesen werden.

Für die Absorption eines Produkte in die Haut ist die Molekulargröße nicht der einzige Faktor und kann beispielsweise durch den pH-Wert oder Penetrationsverstärker wie Alkohol beeinflusst werden.

HA & POD

Die genauen Ursachen von Perioraler Dermatitis (POD) sind derzeit nicht abschließend geklärt. Es ist dennoch ein interessantes Beispiel dafür, dass es potenziell ein „zu viel Feuchtigkeit“ durchaus geben kann: wird barriere-geschädigte Haut immer wieder Feuchtigkeit zugeführt und mithilfe von Inhaltsstoffen wie HA auch noch in der Haut gespeichert, kann es einen „feuchtfröhlichen“ Nährboden für Pilze und Bakterien bieten. Sicherlich spielen auch andere Faktoren bei der Mundrose eine Rolle, der Gedanke im Hinterkopf schadet zur Vorsicht dennoch nicht. Bei roten Pusteln um den Mund und gegebenenfalls anderen sensiblen Partien sollte man einen Experten zu Rate ziehen.


Hyaluron-Filler

Die Aussage„Hyaluronsäure kann das bis zu 6000-fache seines Eigengewichts an Wasser binden“ wird sehr gern zitiert. Dies gilt jedoch für solch hochmolekulare Hyaluronsäure, dass sie als Kosmetikinhaltsstoffe keine nennenswerte Rolle spielt, sondern vielmehr für Hyaluron-Filler zum Unterspritzen der Haut.


Die Resultate dieser beiden sehr unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten werden häufig durcheinander gebracht – oder gezielt absatzfördernd suggeriert.


Bei HA-Fillern wird sich das Verdicken höherer Konzentrationen zunutze gemacht. Diese Art der Hyaluronsäure wird jedoch nicht ohne Grund in die Haut gespritzt. Um beispielsweise als Serum so tief eindringen zu können, müsste Hyaluronsäure viel, viel kleiner sein. Anderenfalls würden Filler sowie die hauteigene Hyaluronsäure aus den Poren „heraus triefen“.

Hyaluronsäure in der Inhaltsstoffliste

„Hyaluronic Acid“ ist nach INCI der offizielle Begriff, unter dem die Säure in der Inhaltsstoffliste aufgeführt werden muss. Das gängige Kürzel ist HA und laut neuer Nomenklatur heißt es Hyaluronan, was sich allerdings nicht durchgesetzt hat.

Man findet Hyaluronsäure häufig auch in einer anderen Form innerhalb der Inhaltsstoffliste.

INCIWas ist es?Besonderheit
Hyaluronic AcidDie pure HyaluronsäureDie meisten Studien sind mit purer Hyaluronsäure durchgeführt worden.
Hydrolyzed Hyaluronic AcidZerkleinerte HyaluronsäureHierbei handelt es sich im besten Fall um besonders kleine Hyaluronsäure – allerdings ist „kleine“ Hyaluronsäure immer noch groß und wird nicht in die tiefen Hautschichten kommen.
Sodium HyaluronateSalzform der HyaluronsäureEinfacher einzuarbeiten und stabiler. Wie häufig falsch angenommen, spricht diese Art der Hyaluronsäure nicht automatisch für eine niedrigmolekulare Variante
Hydrolyzed Sodium HyaluronateZerkleinerte HyaluronsäureHierbei handelt es sich im besten Fall um besonders kleine Hyaluronsäure – allerdings ist kleine Hyaluronsäure immer noch groß und wird nicht in die tiefen Hautschichten kommen. Der Unterschied in Salzform bezieht sich wieder auf die Stabilität und Einfachheit der Einarbeitung
Sodium Acetylated HyaluronateFettliebende HADiese mit Fett versehene Hyaluronsäure bindet stärker an die Haut und soll so das Verdunsten des Wassers noch weiter vermindern.
Sodium Hyaluronate CrosspolymerQuervernetzte HyaluronsäureDurch die Quervernetzung kann die Hyaluronsäure mehr Wasser aufnehmen und besser einen feuchthaltenden Film auf der Haut ausbilden.
Sodium Butyroyl HyaluronateFettliebende HAÄhnlich der Acetylierten Version wurde auch hier ein fettliebender Teil der HA angefügt und potentiell haftet sie damit besser an der Haut. Ein Eindringen in die Haut ist aber auch hier nicht zu erwarten.

Hyaluronsäure vs Glycerin

Hyaluronsäure ist ein Pulver, das in der Wasserphase eines Produktes gelöst wird und zu einem eher klebrigen Gel andickt und auch als Verdicker oder Filmformer in Kosmetik dienen kann. Glycerin ist flüssig, eher leicht schmierig und kann zu geschmeidigeren Texturen beitragen. Fertig verarbeitet bieten beide Inhaltsstoffe dabei ähnlich feuchtigkeitsbewahrende Eigenschaften für die Haut, unterscheiden sich jedoch in ihrer Charakteristik und ihrem Preis.

Zwar ist das deutlich günstigere Glycerin 1:1 betrachtet nicht ganz so potent wie Hyaluronsäure, jedoch relativiert sich das in der Praxis schnell. Während man Hyaluronsäure meist zwischen 0,1% bis 0,5% einsetzt, sind für Glycerin 3% bis 15% üblich. Mehr Glycerin ist dabei recht komfortabel möglich, während man bei mehr als 0,5% HA durchaus Fingerspitzengefühl beim Entwickeln beweisen muss.

Beide Inhaltsstoffe zu kombinieren, ist eine elegante Art und Weise, das meiste aus dem Potenzial beider Inhaltsstoffe herauszuholen.

Glycerin Molekularstruktur
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Preis ca. 15,00
Inhalt:
50ml 57€ / 100ml
Aqua, Glycerin, Propanediol, Betaine, Dimethicone, Dimethicone/Vinyl Dimethicone Crosspolymer, Proline, Threonine, Glycine, Arginine, Serine, Alanine, Lysine HCL, PCA, Sodium PCA, Glutamic Acid, Ethylhexylglycerin, Sodium Lactate, Sodium Phytate, Carbomer, Hydrogenated Polydecene, Trideceth-6, Sodium Polyacrylate, Triethanolamine, Phenoxyethanol.
Ohne Gewähr – entscheidend sind die Angaben auf der Produktverpackung.
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Hyaluron-Strategie

Aufgrund des höheren Preises und vielleicht auch, weil es im Dschungel der Produkte das Leben einfacher macht, kann es sinnvoll sein, Produkte mit Hyaluronsäure strategisch zu selektieren und sich seine filmbildende Gel-Textur zunutze zu machen.

  • Toner & Essences – weil sie direkt auf die Haut aufgetragen werden, schnell einziehen und die Feuchtigkeit unmittelbar bereitstellen.
  • Augencreme & Lippenpflege – weil der aufpolsternde Effekt vor allem bei feinen Linien sichtbar wird und Sonnenschutz und Make-up darauf weniger kriechen können als auf Glycerin-lastigen Produkten.
  • Finishing Spray – weil zusätzliche Feuchtigkeit das Makeup-Finish und der Polymer-Film die Haltbarkeit begünstigen kann.

Seren mit Hyaluronsäure erscheinen eher dann sinnvoll, wenn weitere Wirkstoffe enthalten sind. Mit jeder Schicht HA steigt das Risiko, dass sich darüber liegende Produktschichten abrollen. Hyaluronsäure in Reinigungsprodukten macht eher weniger Sinn, weil sie weitestgehend abgewaschen wird.


Fazit

Hyaluronsäure ist ein großartiger Hautpflegeinhaltsstoff und eine Bereicherung für viele Produkte. Man sollte jedoch das Potenzial nicht mit dem der Hyaluron-Filler verwechseln. Für unser Ermessen ist Hyaluronic Acid kein Anti-Aging-Wirkstoff und kann bei einem knapperen Budget ohne schlechtes Gewissen weggelassen oder zweitrangig behandelt werden. Für die Feuchtigkeitsversorgung der Haut ist eine Investition in eine starke Hautbarriere stets vorzuziehen.

Wer gern HA in der Routine haben möchte, probiert unterschiedliche Produkte aus, um die beste Ergänzung für die Routine zu finden. Es können durchaus hochpreisige Multi-Molecular-Seren sein, die ein angenehmeres Finish bieten – müssen es aber nicht.

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2 Kommentare
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  1. Hi, wann kommt die nächste Episode vom Beauty Talk?
    Lg Lala

MAGIMANIA
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