Skincare

Naturkosmetik: Siegelmania

So, wie „angedroht“, soll es heute um unterschiedliche Siegel gehen: Da der Begriff „Naturkosmetik“ nicht rechtlich geschützt ist, wurden Zertifizierungen entwickelt. An deren Konzeption sind vor allem die Hersteller von „echter“ Naturkosmetik beteiligt. Klar, wenn ich einen gewissen Standard habe, möchte ich, dass sich meine Produkte auch von denen abheben, die diesen Anforderungen nicht entsprechen.

Zu beachten ist, dass solche Zertifizierungen auch nur Kompromisse sind, Ergebnisse von Verhandlungen. Das bedeutet: Zwei Produkte, die das gleiche Label tragen, können sich groß unterscheiden in dem „Grad der Natürlichkeit“: So erfüllt Produkt 1 die Anforderungen vielleicht gerade so eben, aber Produkt 2 geht da viel weiter.

Auch können sich die Kriterien, die erfüllt werden müssen, um ein Siegel zu erhalten, ändern. Man sollte also ab und zu eventuell mal schauen, ob sich hier etwas verändert hat, ob die Kriterien strenger wurden – oder gar lascher?

Des Weiteren gibt es auch echte Naturkosmetik, die nicht zertifiziert ist – die Mitgliedschaft in Gremien und der Zertifizierungsprozess sind natürlich mit finanziellen Kosten verbunden, welche nicht jeder Hersteller aufbringen kann oder will. Hier lohnt sich also wieder ein Blick auf die Inhaltsstoffe.

Hier die – meiner Meinung nach – vier “größten” Label (die Logos sind natürlich gesetzlich geschützt):

1. BDIH-Siegel

Das in Deutschland wohl bekannteste Siegel dürfte das des BDIH sein, welches seit 2001 vergeben wird. Der BDIH ist ein Zusammenschluss von Unternehmen.

Die Zertifizierung ist nicht auf das Produkt beschränkt, sie umfasst den gesamten Herstellungsprozess. Übrigens müssen mindestens 60 Prozent aller Kosmetikprodukte einer Marke die Anforderungen erfüllen, damit überhaupt eins das Siegel erhält.

2. COSMOS

Noch in der Entwicklung: ein weiteres, neues Label. Dieses Mal auf europäischer Ebene. Es wird wohl die kleinste Schnittmenge werden, auf die sich alle europäischen Akteure einigen können.
Allerdings sind, so wie ich es sehe, die Prozesse noch nicht endgültig abgestimmt und auch ein Logo gibt es noch nicht. Aber, falls es Euch demnächst über den Weg läuft, wisst Ihr ja schon jetzt Bescheid.

3. Ecocert

Vergeben wird das Label durch eine unabhängige französische Zertifizierungsorganisation, die nicht nur Kosmetika kontrolliert, sondern auch weitere Produkte.

Auch dieses Label gibt es in zwei Abstufungen, welche sich in dem Anteil der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs und aus biologischem Anbau unterschieden.

4. NaTrue

Dahinter stehen der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel sowie diverse europäische Naturkosmetikunternehmen.

Interessant bei diesem Label ist, dass es in mehreren Abstufungen vergeben wird (ein Stern bis drei Sterne).

ein Stern: Naturkosmetik, entspricht etwa dem BDIH-Standard
zwei Sterne: Naturkosmetik mit Bio-Anteil
drei Sterne: Biokosmetik

Interessant: In Zukunft werden die Siegel ohne Sterne auf den Produkten ausgewiesen, da die Verbraucher die Produkte mit nur einem Stern als minderwertig angesehen haben – dabei sind sie ja schon auf dem BDIH-Level.

PS: Eine interessante Labelübersicht – auch für andere Lebensbereiche – bietet utopia.de. Auf die Website wurde ich bei einer Lesung von Axel Milberg/Henning Mankell vor über zwei Jahren aufmerksam und finde wirklich, dass sie es verdient hat, hier mal erwähnt zu werden. So! :o)

Wenn Ihr Interesse habt, stelle ich Euch noch weitere Label vor – aber ich glaube, für heute soll es erst mal reichen *puh*.

Autor

Seit 2010 Teil der Samstagsschicht und eher die Otto-Normalverbraucherin hier. 1981 geboren; trockene, meist unkomplizierte Haut. Sehr heller Teint. Faible für duochromen Lidschatten, Eyeliner und nicht-dezente Mascara.

  1. Danke für die Zusammenfassung. Ich kann das mit den Sternen bei NaTrue ziemlich gut verstehen. Obwohl man weiß, dass es trotzdem "gut genug" ist mit einem Stern, habe ich mich auch dabei ertappt zu denken "ne, dann suche ich lieber weiter nach etwas, das mehr Sterne hat"… Wobei Weleda hier selbst Schuld war diese Benotung mit "leider" zu kommentieren 😉

  2. Sehr informativer Post. Merci dafür!

  3. Vielen Dank für deinen Post, Zaz!

    Interessieren würde mich ja, ob es ähnliche Zertifizierungssysteme auch schon in Amerika gibt? USA sind ja gerade sehr auf einem Go Green Trip und "Organic" produkte sind so stark angepriesen. Aber bekanntlich reicht es ja nicht die Verpackung "grün" einzufärben und ein prangendes "Organic" aufs label zu drucken.

    Auch wenn ich das jetzt alles auch mal selbst recherchieren werde, wollte ich das mal in den Raum geworfen haben. Ich werd ja oft genug auch von amerikanischen bloggern und ytubern angefixt. Wenn die aber eine mir unbekannte Marke hochhalten und anfangen mit "Organic" "Natural" etc. da muss ich halt die Stirn runzeln.

  4. Auch wenn das Standardisieren eine typische deutsche Krankheit ist, ist es doch schön sowas zu haben.
    In US-Amerikanischen Blogs ist vereinzelt mal die Zertifizierung über USDA die Sprache…

    Ich schaue mir auch gerade ein Aufklärungsvideo auf englisch an. *amüsiert* http://www.organicconsumers.org/bodycare/index.cfm

  5. Vielen Dank für die Info dazu.

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