Interview mit Elke Willemen

MAC Senior Artist BeNeLux

Auf der Masterclass zu Natural Beauty, einem Herbst- und Wintertrend für 2011, durfte ich ein Interview mit Elke Willemen führen, die diese Veranstaltung für Visagisten und MAC-Mitarbeiter präsentierte. Senior Artists repräsentieren MAC als Marke und sind zum Beispiel im Gegensatz zu den PR-Leuten berechtigt solche Interviews zu geben.

Als Einleitung der Masterclass zeigte uns Elke einige Laufsteg-Looks auf der Leinwand, die von MAC für Mode Designer realisiert wurden. Einige Namen dürften euch bekannt sein: Dsquared², Manish Arora, Emanuel Ungaro – richtig, stets auch Paten von vergangenen Color Stories und so schließt sich auch der Kreis.


Ich fragte Elke, wie ein Look für eine Modenschau entsteht, wieviele Freiheiten die Makeup Artists haben und wie flexibel die Designer mit fremden Ideen umgehen:

Die Designer geben die Story vor. Sie erläutern ihre Inspiration, anhand der die Kleidungsstücke entstanden sind. Zum Beispiel: „Ich spazierte am Strand entlang, sah den schönen Sonnenuntergang und all die schönen Farben inspirierten mich zu einer Kollektion…“ und dann kommen die Makeup Artists in Spiel. Der Key Artist bespricht die Möglichkeiten mit dem Designer, wie man diese Inspiration auf dem Gesicht reflekteren kann.

Manchmal wünschen die Designer einen Kontrast zu ihren Modellen auf dem Gesicht, zum Beispiel harte Linien und kräftig gefärbte Stoffe und dazu dann dezentes, sanftes Makeup wie vielleicht nur kräftig angemalte Lippen.

Wieviele Vorschläge zeigen Sie üblicherweise den Designern, bevor sie übernommen werden?

Manchmal ist es: Oh ja, wir haben’s! und der Look steht. Und manchmal muss man einige Anläufe durchlaufen oder Änderungen an den Ideen vornehmen, z.B. die Farben ändern. Manchmal müssen wir aber auch alles über den Haufen werfen. Zum Beispiel hat ein Designer die konkrete Idee von dunklen Smokey Eyes, dann schaut er auf das Gesamtbild mit der Kleidung – die Haare sind frisiert, das Makeup sitzt – und dann ist es: OK, irgendetwas stimmt nicht. Dann kann man als Makeup-Artist kleine Verbesserungsvorschläge einwerfen, das ist dann toll – oder es heißt: Nein, ich will jetzt rote Lippen!

Werden solche Änderungen auch mal direkt vor einer Show verlangt?

Nein, das wäre zu spät. Aber manchmal möchten sie durchaus kleine Änderungen wie eine dezente Farbänderung, andere Formen oder Texturen. Die Grundidee wird jedoch beibehalten, wie ein glowiger Teint.

Der Trend im Moment liegt darauf, dass wir die Makeups mehr an die Models anpassen – die Persönlichkeit der Models steht im Vordergrund und nicht nur das Makeup. Die Lippenfarbe kann sich beispielweise ändern abhängig vom Modeltyp. So gab es eine Show, bei der alle Models beige Lippen trugen und nur 4 rote. Es wurde gesagt: sie bekommt rote Lippen, sie, sie und sie. Bei Vivienne Westwood konnte man machen, wonach es gerade einem war:  es war wie bei einem Gemälde.

Es gibt also verschiedene Charaktäre unter den Designern – einige lassen den Artists freie Hand und andere sind streng?

Ja, absolut. Einige möchte die Models identisch aussehen lassen, aber der Trend geht dahin sie „sie selbst“ sein zu lassen und auf deren „Personality“ einzugehen.

Entstehen dann auch so die MAC Kollektionen – aus den Ideen der Designer heraus?

Nein, meistens stehen die Kollektionen zu diesem Zeitpunkt schon fest. Wenn eine Fashion Week anläuft, bringt der Key Artist die neuesten Produkte mit. Es ist dann nicht zwangsläufig das finale Produkt, die entgültige Verpackung. Die Designer können es sich anschauen und entscheiden, ob sie es mögen und verwenden möchten – gerade bei Farben. Wir kennen die Trends genauso wie der Designer sie bei Fashion kennt. Kennst du die Seite pantone.com? Dort kannst du das System einsehen und die vorherrschenden Trends. Es ist wirklich interessant.

Wir haben so viele Kollektionen im Jahr und so viele spiegeln sich wieder an den dort genannten Farben (Anmerkung von mir: üblicherweise beginnt die Planung einer LE durchaus 2 Jahre im Voraus – man weiß dann ja noch nicht, was so eine Website später veröffentlichen wird – es bescheinigt einfach das Gespür). So etwas ist auch wichtig für uns Makeup Artists, um inspiriert zu bleiben und die Trends zu kennen. Auch was Texturen angeht – auch hier können sich Trends ändern. Manchmal soll es cremig sein oder Produkten mit viel Ergiebigkeit, von denen man nur wenig für viel Effekt benötigt, bei denen man ihn sofort sieht. Das ist, was wir wollen und natürlich, dass es gut sitzt.

Liegt der Fokus bei der Entwicklung also auf dem professionellem Gebrauch?

Nein. Es gibt zwar das PRO Sortiment, das sich daran orientiert, aber zum Beispiel haben die neuen Cremeblend Blushes eine einfacher anwendbare Textur als die vorherigen. Die neuen sind transparenter und damit auch einfacher zu benutzen und somit sind sie auch kundenfreundlicher – nicht nur für unsere PRO-Artists.

Sehen Sie auch eine Tendenz hin zu eher kundenorientierten Produkten? Zum Beispiel empfinde ich das gebackene Sortiment als wenig professionell orientiert… Orientieren sich die Kollektionen mehr nach den Verkaufszahlen?

Nein, nicht wirklich. Es wird immer Produkte geben, die auf die Kunden zu umständlicher in der Anwendung wirken. Aber zum Beispiel die SEMI PRECIOUS: viele Pros werden die Produkte auch nutzen. Es ist nicht so, dass man eine Trennung erzwingen will. Es heißt ja ALL AGES, ALL RACES, ALL SEXES.

Darum haben wir stets einen Artist im Geschäft, um Tipps und Anleitungen weiter zu geben. Die Kunden können sich die Produkte ansehen, ausprobieren und sich zeigen lassen, was es macht und was man damit schaffen kann. Sodass man als Kunde nach Hause kommt und weiß, wie man es anwenden kann. Anders als im Supermarkt – da entscheidet man sich einmal für eine Farbe, die einem gefällt – aber daheim weiß man oft nicht, wohin damit und wie. Bei MAC kann man es sich zeigen lassen und weiß, wie es sich auch aufgetragen verhält.

Wie können die Kunden die Looks vom Laufsteg adaptieren?

Es gibt natürlich viele Looks, die im Alltag getragen werden können – wie das Thema der Masterclass. Aktuell haben wir Backstage sehr viele transparente Produkte wie die neue Foundation, das neue Puder angwendet. Der Kontrast zwischen Medien, Laufsteg und dem Alltag ist nicht mehr so enorm. Heute sind auch die Produkte für Bildschirme anders – und für alle zugänglich.

Wenn du ein Trend-Makeup vom Laufsteg übersetzen möchtest, nimm z.B. krischrote Lippen, wie es zum Jahresende zelebriert wird. Es wird ein universelles Rot sein. Oder belasse deinen Teint nackt (wirkend) – bereits das ist ein Trend. Oder wie gezeigt: statt den breiten, spitzen Augen die Form rund zumalen und schon hast du einen weiteren Trend umgesetzt.

Finden Sie, Frauen sollten sich mehr trauen extravagante Trends umzusetzen?

Ich weiß nicht, wie es dieses Jahr in Deutschland aussieht, aber in den BeNeLux-Ländern mag man zwar Trends, aber man will sie nicht überspitzen und auf Teufel komm raus tragen. Es gibt zwar immerwieder Kunden, die das verlangen, aber es sind eher Ausnahmen. Es sollte stets Priorität sein, das zu tragen, was einem selbst gefällt und worin man sich wohl fühlt.

Vermissen Sie etwas im MAC-Sortiment?

Im Moment nicht. Wir als Artists können an die Produktentwicklung herantreten – wir haben regelmäßige Meetings und schmieden Ideen.

Was war also das letzte Produkt, dass Sie sich wünschten und das herausgebracht wurde?

The Prep + Prime Highlighters (strahlendes Lächeln folgte). Sie sind so toll. Wir sind wirklich happy mit ihnen.

In Vergangenheit sind strahlende, bunte Farben von z.B. Fluidlines, Shadesticks aus dem festen Sortiment verschwunden, was ich sehr schade finde.

Manchmal verschwinden sie, weil die Kunden es einfach nicht kaufen. Dafür gibt es die Nuancen regelmäßig in limitierten Kollektion, wie zum Beispiel in der MICKEY CONTRACTOR Kollektion, als die 2 bunten Fluidlines erhältlich waren. Ansonsten hätten wir eine zu große Auswahl, eine vielleicht zu überwältigende, in den Stores. Daher versuchen wir ein übersichtliches  Basissortiment für die Kunden anzubieten.

Ist die neue MATCH MASTER Foundation (voraussichtlich ab September) eventuell eine Option für Frauen mit sehr, sehr hellem Teint? Denn ich kenne so viele Mädels im Netz, die sich nach helleren Nuancen sehnen als NC/NW15…

Die No. 1 der MM Foundation ist sehr blass. Wir nutzten es auf der *** (sorry, da hab ich nur Krach, weil die Handwerker die Kulisse abbauten :/) Show in Paris, weil die Models dort sehr blass sind. Ein Produkt, das wir zu dem Zweck häufig verwenden, ist die Face & Body Foundation in ‚White‘ – wir mischen sie dazu, um sie aufzuhellen…

*und da quiekte sie natürlich freudig* Oh ja, die benutze ich auch – IMMER!

Sie ist auch toll als Highlighter!

*horch* + ein wenig Small Talk über Gerüchte, sie sei discontinued

Gibt es Hoffnung, dass es in Zukunft noch eine weitere Foundation-Textur in weiß geben wird, z.B. die Satinfinish…

Nicht, dass ich wüsste…

Schaaade…


blank

Elke Willemen ist seit 2001 Makeup Artist in Belgien und gehört seit der Store-Eröffnung in Antwerpen 2007 zu MAC. Zuvor studierte sie Innenarchitektur in Merchelen, um danach sich doch auf Makeup zu konzentrieren. Sie bestritt eine Frisörausbildung und besuchte Makeup-Lehrgänge an der SIVO Berchem. Sie praktizierte Bühnen- & Beauty-Makeup, Body Painting und Special Effects. In Paris besuchte sie die Jean-Pierre Fleurimon Schule, kellnerte nebenbei und lernte so zahlreiche Kunden kennen, worauf hin sie eine Zeit als freie Künstlerin erfolgreich arbeitete. Bevor sie nach Antwerpen zurückkehrte, um an der Schoonheid School zu lehren, lernte sie selbst Airbrush in New York.

When I heard that a M.A.C store was coming to Belgium, I thought, finally!!!” says Elke. “I loved M.A.C makeup and its philosophy of embracing individuality. I loved its creativity and playfulness…And the highly pigmented products could last the whole day!

Vielen lieben Dank für das Interview!

Elke Willemen ist so eine unheimlich sympatische, mitreißende Person – sie hat sich für das Foto sogar die Schuhe ausgezogen – so groß ist sie… Und ich total zerzaust von der Zug-Taxi-Hotel-Taxi-ich-komm-zu-spät-Odyssee 😛

24 Kommentare
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  1. danke für den interessanten Einblick! Und das sie auch Pantone nutzen finde ich ja mal cool. Ich kenne Pantone aus dem Architekturbüro und es ist halt DAS verlässliche System zum übermitteln der korrekten Farben. :rainbow:

  2. Danke dafür, dass du das ganze Interview aufgeschrieben hast. Gerade deine Fragen im letzten Teil fand ich sehr interessant. Und Elke sieht auf dem Foto wirklich sehr sympathisch aus, ihr Lebenslauft ist ja auch spannend :-))

    • Ich wusste nicht, was ich guten Gewissens hätte weglassen können. ich fand’s alles sehr spannend – wenn auch nicht alle Antworten „befriedigend“… Aber das ist OK…

  3. Tolles Interview!! Danke! =)
    Dadurch stellt sich mir wieder die Frage, WER eigentlich direkt in der Produktentwicklung von MAC (oder allg Kosmetikirmen) sitzt.. Anscheinend nicht direkt make up artists, also vielleicht doch chemiker? seehr interessante sache..

    • Wieso? Das eine schließt das andere ja nicht aus. An Chemiker glaube ich eher in zweiter Linie – Product Management ist ja oft BWLer-Terrain oder? Also Trend Scout mäßig Messen abklappern, verhandeln, schnüffeln etc… Aber ich kann mir vorstellen, dass da auch verschiedene Leute sitzen.

  4. sehr interessant, danke :-*

  5. Oh, tolles Interview, macht echt Spaß zu lesen 🙂 Vor allem interessant zu erfahren, wie sehr die Designer etc. zusammen arbeiten. Das muss schon ein toller Job sein, wenn auch nichts für mich. Wahnsinn.

  6. Das finde ich sehr interessant, Danke für das Teilen des Interviews 🙂
    Parallelen sehe ich hinsichtlich Designer/Visagisten zu Regisseur und Maskenbildner, was das Mitspracherecht und die eigene Kreativität bei der Gestaltung und Umsetzung angeht.
    Ein bewegtes Berufsleben hat die Elke Willemen bis jetzt:-) So etwas „Umwegiges“ find ich immer interessant.

    ….schönes Erinnerungsfoto 🙂

  7. :yes:

    hst du sehr gut gemacht..wirklich
    Ich beneide dich drum =)

  8. Tolles Interview, Danke=)
    LG

  9. Danke für das Interview, mal interessant den Artists über die Schulter zu schauen.

    Aber bei dem Punkt, dass die farbigen Shadesticks, Paint Pots usw. in die LE verschoben wurden, bin ich nicht überzeugt:
    Nicht nur, kommen solche Produkte sehr selten in den Colourstories vor, ich finde auch die Farben könnten fast von Bobbi Brown sein: Nude, Champagner, Braun, Taupe, Anthrazit… (Warm & Cozy, Cham Pale…) Wenns hoch kommt mal bißel pastell (Sugarsweet)
    Ja, Mickey Contractor ging schon mal wieder in die farbige Richtung. Aber die LE war so exklusiv, dass man sie praktisch gar nicht zählen kann.

    An Farben wie in deinem Shadesticks-Video kann ich mich jedenfalls die letzten Jahre nicht erinnern. Einfach schade drum. :smug:
    Ich bin nämlich überzeugt es gibt noch was zwischen zu großer und gar keiner Auswahl. :doh:

    Ansonsten hätte mich noch interessiert, weshalb die me/s auch von Pros geschätzt werden. Das WYSIWYG von den normalen Lidschatten stell ich mir nicht gerade unwichtig vor.
    Klar, bei den Style Black me/s weiß man was geht, aber diese arg marmorierten, die hauptsächlich nur im Topf hübsch aussehen und aufgetragen einen undefinierten Farbmatsch ergeben. Oder die seltsam verstrudelten Blushes, bei denen man gar nicht eine Farbe extrahieren kann. Aber ich bin ja auch nicht vom Fach, vllt. überseh ich was. :blush:

    • Genau das hab ich mir auch gedacht. Ich finde prinzipiell OK die extravaganten Farben auf LEs auszulagern, aber dann auch bitte wirklich realisieren. Aber ich denke, das Ding mit Shadesticks ist, dass die als Produkt auch ein Auslaufmodell sind.

      Dennoch: man sieht ja, wieviele Marken erfolg mit dem bunten Konzept haben – sehr seltsam, dass die populärste Marke auf dem Gebiet Schritte zurück macht. Aber damit müssen letztendlich die leben – wir haben ja die Alternativen. Dennoch sehe ich viele Produkte im PRO Sortiment, die „einspringen“. Chromalines einfach mischen und schon hat man farbige Eyeliner. So ist’s ja nicht.

      Auch stehe ich nach wie vor zu meiner Vermutung, dass man sich eher an der Laufkundschaft orientiert. Es wird sicher einige gebackene Produkte geben, die PROs entgegenkommen (und die sind ja nur ein Beispiel), aber ich zähle die auch eher zur Minderheit. Und klar werden sie sie benutzen – ist ja ihr Arbeitgeber 😛 Wobei ja auch in jeder Visagistin auch eine Nutzerin ist, auch ein kleines Mädchen, dass schönem Blingbling nicht widerstehen kann. Muss ja nicht immer so schrecklich PRO sein…

      • Ich mag ja die Shadesticks und fände es schade, wenn gar keine mehr erscheinen würden. In der Make me over LE gibts sogar wieder welche, natürlich in gewohnt zurückhaltenden Farben. :giggle:
        Und beim „Nachfolgermodell“ den Greasepaint Sticks ist das Problem praktisch das Gegenteil: Hauptsache soviel schwarze Basis, das man die Farben kaum erkennt. 😕
        (Und so gern ich diese als Base mag, solo aufgetragen sind nur die Shadesticks hübsch.)

        In dem Zusammenhang kann man auch die Big Bounce e/s erwähnen:
        Auf Bildern wirken die Farben im Tiegel schön intensiv bis knallig und dann kommt der Essence-Effekt 😉 : Aufgetragen transparent ohne Ende. (Textur lass ich mal unkommentiert…) Man kriegt das Gefühl MAC traut seinen Kunden kaum noch farbintensive AMu zu.

        So, genug gemeckert für den Augenblick. :dance:

  10. Sehr interessantes Interview!

    Vielen Dank dafür :yes:

  11. Danke, dass du auch an uns Schnewittchen gedacht hast. Ansonsten sehr spannender Blick hinter die Kulissen!

    • Es wäre ja schon cool, wenn sich da was täte, aber bei all der Sympathie für MAC: einen Schritt wieder hin zu Nischen traue ich ihnen nicht (mehr) zu… Aber ist mir so wichtig auch nicht: die Foundations finde ich eh nicht wirklich spannend.

  12. Sehr tolles Interview, klasse Einblick! Danke schön :yes:

  13. Ein sehr interessanter Einblick hinter :heart: die MAC-Kulissen. Vielen Dank!

  14. Ein tolles Interview! :yes:
    Und Elke Willemen wirkt auf dem Foto auch sehr sympathisch!

Kommentare

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