Kulturelle Aneignung hat wieder Saison in der Beauty-Welt

eine Videoempfehlung

Kulturelle Aneignung Beauty Fashion Geisha Ethno Afrika

Im Laufe der Jahre, in denen ich mich mit Beauty befasse, gab es Kollektionen, Produkte oder auch Namings, die ein gewisses Unbehagen in mir auslösten. Ich konnte bisher nie in Worte fassen, warum es sich so “daneben” anfühlte. Ich freue mich aber über ein Video von Dani / RiotSchminke auf YouTube gestoßen zu sein, das mir endlich Klarheit beschert hat.

Der Frühling hat gerade erst offiziell angefangen, was bedeutet, dass nach und nach die Summer Collections der Beauty-Marken angekündigt werden. Es vergeht kein Jahr, indem nicht wieder Afrika unfreiwillig Pate für stereotype Looks stehen würde. Man schaue allein das Teaser-Bild zu meiner Übersicht letztes Jahr an

Ich bin nicht in einem Zuhause aufgewachsen, in dem gesellschaftskritisches Reflektieren stattgefunden hat und bis auf einzelne Lektüre im Deutschunterricht war die Auseinandersetzung mit sozialkritischen Themen eher selten. Es gibt jedoch einen verwandten Fall, auf den ich das für mich individuell übertragen kann: sakrale Elemente.

Ich habe ein – sagen wir – schwieriges Verhältnis zu Gott und Religion, was ich auf die “Besonderheiten” des Katholizismus in Polen (und in der polnischen Gemeinde hier in Deutschland) zurückführe. Ich bin mir unsicher, ob Modeschmuck in Form von Kruzifixen oder die einst so hippe VIVE MARIA Unterwäsche mit Prints von Maria, Jesus und anderen Ikonen mich schlicht an dieses ambivalente Verhältnis erinnern und aufwühlen oder weil es WIRKLICH irgendwie unangemessen ist. Klar besaß ich nie ein Stück “religiöse Mode”, aber bin bis heute voreingenommen, wenn jemand solche Stücke trägt, z.B. Rosenkranz als Kette um den Hals.

Sind Produkt-Manager nicht kreativ genug, um auch andere Inspirationen heranzuziehen?

Natürlich erwartet man keine Kunst im Sinne von intellektueller, gesellschaftskritischer Arbeit, aber muss es denn genau das Gegenteil sein? Werden auf kultureller Aneignung basierende Kollektionen von Konsumenten erwartet und Alternativen tatsächlich verschmäht? Möglich wäre es. Die Erfahrung von Beauty Bloggern, die sich unkonventionell schminken, kennen die Reaktionen, dass selbst Smokey Eyes im Sommer Kritik ernten, weil sie ja herbstlich seien (Wink an Paphio). Wenn schon aktiv Beauty-Begeisterte, die unsere Spielwiese kennen und nutzen, nicht uneingeschränkt tolerant mit Makeup umgehen, wie würde eine weniger leidenschaftliche Nutzerin auf ein Fehlen von Geishas, Tribals und Federschmuck in den Theken reagieren? Alles nur eine Frage der Zeit und einer natürlichen Abgewöhnung oder wäre doch eine aktive Verweigerung von beiden Seiten wünschenswerter: Brands UND Konsumenten?

Dem Video von Dani verdanke ich, dass mein Wirrwarr im Kopf zumindest in Bahnen gelenkt wurde. Eine Ordnung herrscht noch nicht, sodass ich mich noch nicht bewusst positionieren kann, ab welchem Punkt ich diesen Teil des Beauty-Kosmos umgehen möchte. Ich unterscheide für mich, ob es ein kommerzielles Motiv gibt sowie einer individuellen Auslegung einer Inspiration, die einem eine persönliche Auseinandersetzung mit der jeweiligen Kultur einem geboten hat. Vom bloßen Schmücken ohne Bewusstsein für die Herkunft kann und will sich vermutlich niemand freisprechen. In unserem Metier sind zudem die Grenzen von persönlich zu kommerziell sehr fließend.

Keinesfalls möchte ich den Finger erheben, sondern euch an meinen aktuellen Gedanken teilhaben lassen, denn vielleicht ergeht es euch bei diesem Thema wie mir oder ihr habt diese Fassette bisher nicht beachtet und möchtet sie in Zukunft in einer Beauty-Welt berücksichtigen.

Ich freue mich natürlich auf eure Gedanken und Anekdoten. Seht ihr einen Unterschied zwischen ethnischen Symbolen und z.B. solchen aus Religion (z.B. ), Musik (z.B. Punk), Bikern, Militär etc.? Würdet ihr das Phänomen eher Low Budget Marken zusprechen oder beobachtet ihr es in allen Preisklassen gleichermaßen? Oder findet ihr die Ausmaße noch völlig im Rahmen (zumindest bei Beauty) und horizonterweiternd…

Mindestens so erstrebenswert, dass solche Kollektionen mit der Zeit versiegen, finde ich aber, dass das Angebot multikultureller wird und Frauen (und Männer), deren Wurzeln Vorlage für solche “Kreativkonzepte” bieten, keine Probleme mehr haben passende Produkte zu finden. Dazu führte Erbse kürzlich ein Interview mit Myriam.

Aktuelle Kampagnen

Autor

Mother of Pearl, Shimmer & Magimania
graublau | ∫∫∫ braun & fein | Ω sehr hell & gelblich | Sommertyp | leichte Mischhaut | Haardesaster

  1. Ich denke diese immer wieder kehrenden Kollektionen haben nichts damit zu tun, das keiner dafür bereit ist, etwas Neues auszuprobieren, sondern das man weiß “Ah ok, so eine Kollektion funktioniert”. Ist doch in der Mode genau das gleiche. Im Sommer Afrika oder Bohemian Style und im Herbst London Chic. Ich kann’s echt nicht mehr sehen.

    Die Menschen sind so festgefahren in ihren Mustern, mich wundert manchmal das es ihnen nicht selbst langweilig wird. Das ist bei Bloggern auch oft zu beobachten finde ich. Ich mache erstmal was alle machen, weil ich weiß das man damit Leser gewinnt. Also schminke ich ein dezentes Back to School Make Up, rödele durch wie man Smokey Eyes schminkt und zum Oktoberfest zeige ich eine Flechtfrisur etc pp. Wirklich innovative Artikel findet man selten. Ich fand damals zB die Blogreihe großartig, bei der im Artikel keine Markennamen genannt werden durften. Man merkte richtig wie die Blogger aus ihren Mustern ausbrechen mussten. Oder zB dein “Wahrsageartikel” an dem versucht wurde anhand der INCIs herauszufinden, ob das Produkt wirklich was taugen wird. Das fand ich superinteressant!

    Um den Bogen zur Kosmetik zurückzukriegen, denke ich, das man die Kollektionen durchaus anders benennen könnte und andere Konzepte ausprobiert. Es spricht für mich zB nichts dagegen im Frühjahr mal keine Pastellkollektion rauszubringen oder zu Weihnachten nix mit Gold. Wieso zB sich nicht eine Kollektion rausbringen, die farblich an einen Künstler erinnert? Monet wäre eher pastellfarben, Picasso hätte kräftige Farben usw 🙂

    • Die Idee, sich an Künstler und ihre Farbpaletten heran zu tasten finde ich nicht schlecht. Das grafische wurde ja irgendwie schon mehrfach von diversen Marken verbraten.
      Zja, neue Ideen braucht das Land aber woher nehmen, das Rad ist bereits erfunden, in der Mode kommt auch alles immer wieder.
      Seit Jahren sehe ich “Afrika” als Thema für den Sommer, Bronzehaut und klare Farben passen perfekt dazu. Einfallslos wie selten, aber es verkauft sich halt anscheinend gut, warum da das Pferd neu aufzäumen? Im Winter dann Pastell mit Schneeweißen Kristallen zur Deko. Im Herbst Boudoir Chic mit gedeckteren, opulenten Farben. Das sind so die drastischsten Dinge die mir auffallen.

      Es wirkt auf mich langweilig und abgegrabbelt. Nix neues, innovatives. Eine LE schaut irgendwie wie die andere aus, auch wenn sie sich inhaltlich unterscheiden ist die äußerliche Fassade so gleichgeschaltet. Schade drum. Insbesondere habe ich da Artdeco und MAC auf dem Schirm wenn es um grafische oder geographische LEs handelt (hau mich, wenn ich mich da irre).

      Religiöse Themen sind mir weniger im Gedächtnis, vermutlich auch, weil ich mich damit gar nicht befasse. Religion spielte nie eine Rolle in meinem Leben. Was mich eher nervt, sind die reduzierenden Pauschalierungen die mit der Botschaft einhergehen.
      Afrika ist gebräunte Haut, kontrastreiche Farben, Sandfarbe und Grün. Winter ist Eis und Schnee und hell pastell udn farblos. Herbst ist grundsätzlich gedeckt, grau und braun. Es wirkt so uniformiert einheitlich.

      Und last but not least lassen mich immer mehr LEs absolut kalt. Sie sind austauschbar, widerholen sich und haben ihren Reiz verloren durch permanente Überflutung damit.

      Liebe Grüße,
      Eva

    • Ja, das denke ich auch – also gerade seitens der Beauty-Marken ist da ja ein Umsatzgarant. Ich gehe stark davon aus, dass Entscheidungsträger da bei Experimenten auch schnell NÖ sagen. Aber es könnte natürlich auch nur täuschen – so tief habe ich noch nicht in die Materie eintauchen können. Es ist natürlich auch immer so schwierig auf Events etwas zu entlocken, weil alle Beteiligten immer so happy und stolz sind – und es natürlich ein niemand aus der PR wagen würde zu sagen “So unter uns ne?”…

      Aus Verbrauchersicht kann ich Sicherheit natürlich auch irgendwie immer nachvollziehen, aber gerade bei Makeup wäre es wohl am einfachsten mal auszubrechen. Fashion, IT, sogar Hautpflege – das ist immer etwas schwieriger. Aber Makeup? Man man man…

      Bei Blogs ist’s ja so und so – auf der einen Seite verstehe ich es, wenn Blogger, die noch nicht lange dabei sind, sich da sehr an anderen orientieren. Die meisten fangen ja auch an, weil man “mitmacht” und weniger als Vorbild o.ä. Auf YouTube ist’s natürlich mittlerweile viel Kalkulation. Im Netzwerk wird man da auch stets animiert aktuelle Themen wegen Suchmaschinenoptimierung anzuvisieren. Ich glaube, das lockert sich mittlerweile – in Anfangszeiten der Netzwerke wurden solche Empfehlungen schnell für bare Münze genommen. Es ist aber auch immer ne Frage, wie man auf Videos stößt. Ich glaube, da gibt es schon viel “Antizyklisches”, aber erstmal finden…

      • Ich sehe das wie du Magi,
        klar KÖNNTEN die Marken auch etwas anderes rausbringen als Ethno-LEs und Brit Chic, aber das sind so verfestigte Konzepte, dass auch (entschuldigung) der letzte Depp begriffen hat. Oh Sommer – da brauchen wir was “fremdländisches”; Oh Herbst – jetzt ist das Wetter wie in London etc.pp.

        Letztlich geht es um den Umsatz und der Umsatz generiert sich nunmal am einfachsten über Klischees, denn Klischees kennt jeder.

        Das scheint mir durchaus tendenziell eine Sache des Niedrig- bis Mittelpreissegments zu sein, bei den Hochpreismarken ist es dann eher ein Thema wie “Glamour” oder “Black & White” – zumindest meinem Gefühl nach. Kann auch sein dass ich mich irre.

        Ich muss sagen dass ich das Thema der LE meist ausblende und mich auf die Produkte konzentriere… im Verdrängen bin ich gut 🙁

        Liebe Grüße

        Hanna

  2. magi! einfach nur danke für diesen tollen beitrag! ich kommentiere normalerweise nie, aber ich weiß schon, warum du meine liebste beautybloggerin bist. ich freue mich so sehr, dass dieses thema mal auf einem blog mit deiner reichweite angesprochen wird. tausend dank, wirklich! :heart:

  3. Ich bin auch aus Polen und versuche schon immer Modeschmuck in Form von Kruzifixen zu vermeiden. Ich trage ein echtgoldenes Kreuz um den Hals, das ich von meinen Großeltern geschenkt bekommen habe – das waren streng gläubige Katholiken und ich gehe ohne diese Kette nirgends hin, andere Ketten kaufe ich nur, wenn sie mit der Kreuzkette harmonieren. Ich bin nicht streng gläubig, ich praktiziere eher einen modernen Katholizismus wie er in Polen heute vielleicht noch nicht angekommen ist – hier in Deutschland fällt man unter jungen, modernen Frauen damit trotzdem manchmal auf – von daher kann ich mich nicht komplett davon befreien, dass meine Religion nicht auch manchmal mein Aussehen bestimmt. Aber prinzipiell hast du vollkommen Recht, diese Stereotypen auf den Werbeplakaten gehen mir total auf den Geist – halb verschleierte Damen mit roten Mündern unter einer Orient Beauty Werbung im Hochsommer – was soll das??! Die würden doch auch keine ausgemergelten oder vom Krieg gezeichneten Frauen auf ihre Werbetafel packen – nur weil es derzeit dem Bild der Frauen in diesen Ländern entspricht. Ich denke der Markt ist reif für was Neues. Ich muss gestehen dass mir diese politische Absurdität der Werbung bisher nichts ausgemacht hat oder nicht besonders aufgefallen, aber dein Artikel und das Video betonen das sehr gut was man zwischenzeitlich als “merkwürdiges Gefühl” beim Anblick insbesondere der Catrice Werbefilmchen wahrgenommen hat.

  4. Ein wirklich zweischneidiges Schwert. Zum einen langweilt es mich dass die Themen sich ständig wiederholen – Zum anderen profitiere ich davon gerade weil es vorhersehbar ist. Ich weiss, dass ich im Spätsommer (grün, oliv, petrol) und Herbst (beere, braun, lila) die besten Sachen für mich finde während ich im Frühling (rosa, minze, hellblau) und Winter (schwarz, weiss, silber, rot) gar nicht erst zu gucken brauche.

    Bei der Mode finde ich es leider ziemich nervtötend. Im Frühling und Winter tue ich mich sehr schwer mit dem Klamottenkauf weil es meine Farben einfach nicht gibt. Wieso soll ich mir eine schwarze Jacke kaufen oder einen rosanenen Pullover, wenn es mir einfach nicht steht? Kann es nicht mal Frühlingsmode in olivgrün und petrol geben?! Oder ein luftiges, sommerliches Seidenkleid in dunkelgrün?! Wie wäre es denn mal mit Boho-Chic in weniger warmen Farben?!
    Es gibt Jahre da find ich gar nix, weil irgendein Modepapst mit Neontönen, Senfgelb und Milkalila anfängt. Es ist mir klar, dass man nicht jederzeit alles anbieten kann, aber etwas Asynchronität und etwas mehr Farbauswahl außerhalb der Saison tun echt mal gut!

    Mir ist es relativ gleich aus welchem Themengebiet die Kollektionen entstehen. Ob Religion, Kult, Städte, Musik,… wenn ich ehrlich bin spricht mich nicht das Thema an sondern die Farben und Muster.

    • Ohhhh ja, bzgl den Farben in der Modewelt kann ich dir nur zustimmen. Ich hatte mal ein ganzes Jahr in dem ich grad mal so Basics kaufen konnte, weil Neon und Pastell in waren 🙁 Und auch da eher bei Marken, die eben mehr als drei T-Shirtfarben anbieten, zb Benetton.

  5. Liebe Magi, vielen, vielen Dank auf das Aufmerksam-Machens dieses Themas!!!

  6. Ich denke, das mit den saisonalen Makeupfarben kommt eher von den Klamottenfarben. Wenn man nicht einen sehr gefestigten Stil hat sondern eher mit dem geht was es zu kaufen gibt, dann kauft man denke ich auch eher Farben (Nagellack, etc) die zu den Klamotten der Saison passen. Dann kommt zum schwarzen Silvesterkleid eher die opulenten Farben, zum rosa geblümten Frühlingskleid auch eher der rosa Lipgloss.

    Die alljährliche Tropen/Afrikawelle soll vllt Erinnerungen an den Urlaub wecken, den man hatte bzw gerne hätte.

    Wenn der ‘Mainstream’ Sachen auf einmal toll findet, über die man sich früher tendenziell eher lustig gemacht hat (Nerdbrillen anyone?), hat das immer einen schalen Beigeschmack. Bei kultureller Anlehnung wird das halt durch die Geschichte die dahintersteht noch schlimmer. Aber da ich halt Deutsche in einer Gegend mit einem lächerlich geringen Ausländeranteil bin, kann ich dazu nicht viel qualifiziertes sagen.

  7. Finde es toll, dass du dich damit auseinandersetzt! Mich nerven ein wenig diese Klischees. Wenn es mal wieder eine Moskau-Russland LE gibt, dann sind da immer diese vorurteils-behafteten Farben wie rot, blau usw -am besten noch ein schwerer Rosenduft- drin. Ich fühle mich zwar nicht beleidigt, frage mich aber immer wieder ob die Leute hinter den Produkten so eine LE auch mal anders gestalten könnten.

  8. schwieriges thema, weil hier auch verschiedene dinge zusammenkommen. zum einen natürlich die ewig gleich anmutenden kollektionen. neben afrika ist das für den sommer ja auch gern dieses olle maritime thema. da versteh ich auch absolut nicht, weshalb man sich nicht was neues traut, muss ja nicht direkt ne frühlingskollektion mit drei verschieden-schwarzen lippenstiften sein. oder sind die variationen so leise, dass ich sie einfach überhöre?

    das andere ding ist natürlich diese kulturelle anlehnung und die rezeption der kultur, die dadurch stattfindet. meines erachtens ein sehr zweischneidiges pferd, insofern die inspiration durch kulturen, die der ‘westlichen’ eher fern liegen zwar als integrierendes moment gesehen werden kann, aber dann eben doch oft nicht über die in unserer kultur geläufigen klischees hinausgeht. japan – geisha, weiß- rot-schwarz. afrika (ein riesiger kontinent mit einer alles anderen als homogenen kultur!) – die gebräunte, turbantragende schönheit, ihr wisst was ich meine. dann stellt sich mir schon die frage, ob man diese art der ‘inspiration’ noch als horizonterweiternd oder eben doch als horizontmanifestierend (und vor allem verklärend!) wahrnehmen kann und sollte. und ob andere kulturen nicht noch mehr zu bieten haben als die ersten drei schlagworte, die man mit ihnen assoziiert. was ist z.b. mit der modernen japanerin? wofür steht japan? moderne und tradition vielleicht? daraus lässt sich doch mehr machen als ein ‘modern geisha’-ding oder sowas….

    die idee mit der farbpalette verschiedener künstler finde ich übrigens auch ganz toll.

  9. Ich bin selbst ohne Konfession und sehe das mit den religiösen Symbolen genauso wie du. Ich bin nicht religiös, weshalb ich wirklich NIE irgendein Kleindungsstück mit Kreuz oder sonstigen Motiven tragen würde – egal wie banalisiert es durch die Fashionwelt geistert. Ebenso merwürdig finde ich es wenn ich 14jährige Mädels mit Nirvana Print herumlaufen sehe. Irgendwie musste man früher mehr zu dem stehen, was man trug.

  10. Danke für diesen Beitrag! Ein komplexes Thema, das zeigt, wie sehr wir im Alltag auch mit verstecktem Rassismus und versteckten Stereotypen zu tun haben, obwohl es die meisten wohl gar nicht merken und auch gar nicht richtig wissen (woher denn auch, wenn der Diskurs darüber fehlt), was politisch korrekt ist und was grenzwertig. Selbst wenn man mal den riesen Marketingfaktor rauslässt (der “afrikanisch” angehauchte Lippenstift für die Frau, die schon ewig auf die Safari spart, etc.), ist die Linie zwischen “Inspiration und Bewunderung” im gut gemeinten Sinne und Cultural Approbation so fein, dass ich persönlich ehrlich gesagt oft gar nicht weiß, was “okay” ist. Norwegerpullis ja, aber Ikatmuster nicht? Und muss man sich dann schlecht fühlen, weil man doch ein Shirt mit Ikatmuster mag? Was ist, wenn eine Firma einen Bronzer “Native” nennt, oder was ist mit bestimmten, sexualisiernden Anspielungen (“Underage Red”, “Lolita” etc., die man mit Kindern assoziiert), obwohl das ja noch ein anderes Problemfeld wäre. Ich hoffe wirklich, da noch einen reflektiveren und routinierteren Bewertungsmaßstab und Blick zu finden.
    Ach und zu einer deiner Fragen, ich sehe einen Unterschied zwischen “ethnischen” Themen und anderen, ja. Obwohl ich das auch nicht so richtig festmachen kann, warum. Mit dem Militarytrend kann ich mich nie identifizieren (verbinde ich mit Krieg) und mit den religiösen Motiven sehe ich das ganz ähnlich wie du. Bei Sachen wie Punk finde ich es nicht so schlimm, aber eher oft etwas unglaubwürdig (ob die ganzen Ramones-Shirt-Träger wohl überhaupt wissen, wer das ist, oder ob die das Shirt nur trendy finden). Die entscheidende Frage ist wohl, ob sich jemand durch bestimmte Kleidung/Konzepte verletzt fühlen könnte.

    • Also die Frage nach dem “okay” stellt sich mir jetzt nicht so direkt und ich glaube nicht, dass man eine Skala basierend auf der Allgemeinheit erstellen könnte. Da gibt es ja von fremdenfeindlich über ignorant bis hin zu fanatisch ja alles. Ich denke, den Bezugspunkt muss man sich schon selbst setzen – ob basierend auf eigener oder fremder Erfahrung.

      Ich glaube, dafür sind Diskussionen ja auch ganz gut, weil sie den eigenen Standpunkt gut justieren – finde ich. Bei mir ist das ja auch ein wenig tagesformabhängig. Ich glaube, eine “Grundsensibilität”, wie Du sie beschreibst, ist schon das A&O, weil es eben zeigt, dass Du WENN Du etwas adaptierst, Dich damit auch auseinander setzt. Gerade bei Mustern würde ich persönlich den Bogen nicht überspannen. So lange Du es nicht als Karnevalskostüm nutzt…

      Bei Musik bzw. Bands ist das ganze ziemlich chaotisch aber irgendwie nie so tragisch, dass es da viel Trara wert wäre, denke ich. ich verstehe, wenn Menschen sich ärgern, wenn “ihre” Band einfach auf Kinder-Shirts herumgetragen wird, weil sie damit besondere Zeiten assoziieren. Ein Augenzwinkern zeugt mMn von der Reife, die durch intensiven Musikkonsum eigentlich zu erwarten sei 😀

    • da hast du recht, es ist manchmal wirklich ein schmaler grat, zu entscheiden, was jetzt noch okay ist und was nicht mehr. meistens kann ich da auch nur mit ‘intuition’ antworten, was ja aber irgendwie keine besonders befriedigende und standardisierende antwort darstellt. ich persönlich finde das aber gar nicht so schlimm, weil es doch zeigt, dass sich viele menschen heute mehr gedanken machen zu themen wie verstecktem oder auch positiven rassismus. bezüglich des norwegerpullibeispiels könnte man da möglicherweise argumentieren, dass da keine herrscher-unterdrückte-kulturdiskrepanz besteht bzw. bestand. wohingegen der blick auf z.b. ‘afrikanische’ (wobei das ja immer noch zu definieren wäre) kultur vielleicht an vielen stellen vielleicht noch unbewusst durch die kolonialsicht geformt wurde. (die nomadische wüstenschönheit, oder was weiß ich) aber so ganz sicher bin ich mir da wie gesagt oft auch nicht

      • Ja, diese “White Privilege”-Sichtweise finde ich als Leitlinie, um zu entscheiden, was okay ist, auch sehr wichtig!

  11. Also zum Großteil schließ ich mich den Mädels hier an.
    Aber kurz zu Mone: Ich finde es schwierig zu sagen, dass man sich daran orientieren sollte, ob ein Produkt/Konzept jemanden verletzen könnte. Ich finde – pauschal ausgedrückt – man sollte die Kirche im Dorf lassen (haha Wortspiel mit Magis Beitrag). Es ist doch alles, worüber wir uns hier unterhalten offensichtlich nur Werbezeugs. Natürlich wird mit Klischees gespielt und Symbole aus Ethnien und Religionen entnommen. Ob das jetzt sonderlich kreativ ist oder nicht, das haben wir ja schon relativ deutlich geklärt. Doch ich finde, wir dürfen nicht anfangen das Ganze zu übersensibilisieren; das könnte eine schlimme Kettenreaktion auslösen. Wenn sich z.B. der oder die erste darüber beschwert und sich verletzt fühlt, dass aus ihrem Heimatland oder der eigenen Religion schlichtweg Farben/Symbole übernommen wurden, dann dauert es nicht lange bis weitere folgen und womöglich eine sensiblere Grenze für sich persönlich festlegen. Irgendwann ist gar nichts mehr erlaubt bzw. angebracht. Da zieh ich eine Parallele zur Meinungsfreiheit. In einem freien Land darf jeder tragen, was er will – auch wenn das bedeutet, dass manche Mädels laufende und sprechende Klischees sind und sich der eine oder andere “Betroffene” gekränkt fühlen wird. So stark sollte unsere Gesellschaft schon sein. Am Ende des Tages sind es nur offensichtliche plakative Werbekampagnien, die einen selbst ansprechen oder nicht. In dem Sinne: peace out 😉

    • *Kekse hinstell* das sehen wir wohl etwas anders, aber ist ja auch in Ordnung. Mir geht es nicht darum, eine Übersensibilisierung herbeizuführen oder die Meinungsfreiheit zu verletzen, sondern darum, dass ich reflektierteres Verhalten oft vermisse, wo ich es angebracht fände. Wenn ein Produkt zum Beispiel zusammenhanglos sexistisch mit dämlichen Gender-Stereotypen beworben wird, dann finde ich das genauso unnötig und rege mich darüber auf. Da bin ich sehr geprägt durch meine Erfahrungen und sowas ist mir persönlich einfach wichtig. Marketing hin oder her, es gäbe doch so viele andere kreative Möglichkeiten, und Werbung hat so eine große Prägungskraft. Aber nun gut, jeder hat da eine andere persönliche Grenze und eine andere persönliche Wahrnehmung, und das ist ja auch ok.

  12. Also ich persönlich bin mit religiösen Symbolen vorsichtig. Einerseits weil ich sie meistens einfach nicht besonders schön finde, andererseits weil ich zu viele Menschen zu schnell sehr beleidigt dadurch fühlen. Und da ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin, will ich einen Streit nicht unbedingt offen provozieren wo er nicht notwendig ist.

    Bezüglich der ethnischen Seite finde ich eigentlich vor allem die Einfallslosigkeit schlecht. Wie hier auch schon gesagt wurde, sind viele LEs wiederholungen von abgegrabbelten Klischees. Ein wenig authentischere Ethnie fände ich besser. Das Video übertreibt meiner Meinung das ganze aber. Tattoos als Aneignung zu sehen ist ja schonmal nicht so ganz richtig. Wer helle Haut hat hatte wahrscheinlich auch mal Keltische oder Germanische oder Nordische Vorfahren, und die hatten auch Tattoos. Und wenn man diese Ethnie bei seinen eigenen Vorfahren abguckt muss man dann selbst auch beleidigt sein?
    Eine gewisse Sensibilität mit allzustarken Klischees ist angebracht und vielleicht auch eine Art Wissbegier bezüglich den Herkünften der Symbole wäre bestimmt nicht schlecht. Aber einen direkten Schaden dadurch sehe ich nicht.

    Und zu der Sache mit den Künstlern, gabs da nicht letztes Jahr was? In der Viennart LE von Catrice ging es doch vor allem um Gustav Klimt, wenn ich mich nicht irre. Ein paar Künstler mehr und man hätte eine Künstlerkollektion. 😉

    • Ich weiß noch, zu meiner Jugendzeit war es sehr “hipp” sich muslimische Symbole anzueignen, meist aber aus einem muslimischen Freundeskreis heraus. Also wieder irgendwie ein wenig “grau”. Ich hatte nie das Gefühl, dass es dann wie manch Fashion Trend verhunzt wurde, aber rücksichtsvoll eben auch nicht.

      Ich finde es schon gut, dass das Video da etwas überspitzt ist, weil man es so besser für sich individuell einordnen und über die Beispiele die Problematik besser nachvollziehen kann. Zumindest geht es mir so, die sich bisher damit nie “namentlich” damit beschäftigt hat. Es ist am Ende eben ein Vlog und da sollte es natürlich frei sein, wie man individuell damit umgeht. Und ein wenig Polarisierung schadet in so einem Fall ja auch nicht 🙂

  13. Mich stören diese LE sehr, insbesondere die “Afrika” Le, denn es ist ein riesiger Kontinent, der nicht nur aus Wüste besteht. In allen LEs wird aber dieselbe weiße Sicht auf tausende Gesellschaften gezeigt.

  14. Ich muss sagen: Mir gefallen diese Kollektionen, ich gehöre da anscheinend zur Zielgruppe.
    Ich mag Klischee-Kollektionen. Zaren-Russland, Afrika, dass hat etwas Träumerisches, eine Ferne und Exotik, die es heute in einer Welt, in der man fast jeden Ort der Welt innerhalb eines Tages erreichen kann, kaum mehr gibt.
    Natürlich weiß ich, dass heute in Asien und Afrika moderne Menschen leben. Dass Japan mehr ist als Geishas und Kirschblüten, dass Afrika kein Einheitsbrei ist, sondern verschiedene Länder mit vielfältigen Kulturen.
    Aber … es ist ein bisschen Träumerei, ein bisschen Naivität, ein bisschen Spielen mit Klischees und Assoziationen. Und ja, mir gefällt das als Schminke-Kollektion.

  15. Klasse, dass du auch über tiefgründigere Themen schreibst!
    Die Länder-LEs finde ich eher langweilig, aber sind sie denn wirklich so schlimm? Gab es nicht von OPI auch mal eine German Edition, wo die Nagellackfarben dann nach Wurstsorten etc. benannt waren? Das war auch klischeehaft, aber beleidigt haben wir uns dadurch ja auch nicht gefühlt, oder?

    Es ist ja auch nicht Sinn der Sache, dass man vor lauter Toleranz so übervorsichtig wird, dass man sich nicht mehr traut, eine LE nach einem Kontinent zu benennen. Aber bei den Produktnamen und Begleittexten ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt, damit es nicht abwertend wirkt. Solange solche LEs bewundernd auf die Schönheit eines Landes schauen, ist es denke ich ok.

    Trotzdem finde ich kreativere LEs interessanter, z.B. die erwähnte Viennart/Klimt-LE von Catrice und es gab doch auch mal eine zu Mondrian. Auch die Zusammenarbeiten mit Designern, die es regelmäßig bei Catrice, Artdeco und Manhattan gibt, sind viel spanndender als die sich immer wiederholenden Saison-LEs.

  16. Danke für den tiefsinnigen Post. Ich finde es gut, das du zum denken aufforderst. Ich selber mache mir darum allerdings kaum Gedanken. Es ist plattes Marketing, das bei einer möglichst breiten Masse die richtigen Assoziationen wecken soll. Das kann man weiter denken und dann gut oder schlecht finden. Letztlich ist mir persönlich das aber einfach zu über moralisch. Ich finde Toleranz wichtig, es ist auch wichtig mal über den Tellerrand zu gucken. Die Argumente in dem Video sind alles Richtig. Wenn wir aber anfangen Produkte abzulehnen, weil sie für ihr Marketing Klischees aufgreifen, dann mal gute Nacht Konsumgesellschaft. Wo fangen wir dann an uns aufzuregen und wo hören wir auf. Welche Einflüsse aus anderen Kulturen sind in welchem Kontext ok, welche nicht? Das muss jeder für sich selber entscheiden. Wie du ja auch ganz richtig schreibst spielen persönliche Erfahrungen (wie bei dir mit dem Glauben bzw. der Kirche) auch in die eigene Meinung mit hinein. Mein Vater war lange in der Werbung ich glaube einfach das mich das geprägt hat und das ich ohne hin nicht so sehr darauf anspreche. Mich interessiert in 1. Linie der Inhalt und danach kaufe ich. Dafür bin ich ein Verpackungsopfer. :present:

  17. Tja… als Brasilianerin in Deutschland musste ich mich letztes Jahr gründlich damit auseinandersetzen. Da gab`s sogar bilder von halbnackte Brasilianerinnen auf Toilettenpapierverpackungen zu sehen.

    • Oh ja!! Ich war echt verzweifelt, als unsere Kultur so aus dem Kontext gerissen und sexualisiert wurde (und immer noch wird) – vom Klopapier bis zu Grillwürstchen, Chips und Saftpackungen alles gesehen. :/

    • Ernsthaft? Boah, manchmal ist’s sogar widerlich, was die sich einfallen lassen. Schamlos.

  18. Manchmal denke ich mir, was Leute eigentlich für Probleme haben. In meinem Heimatland, Ukraine, herrschte bis vor kurzem Krieg und es ist immer noch nicht ruhig geworden (ja…ich komme aus der Westukraine). Die europäische Welt hat es nicht besonders interessiert, weil in den Nachrichten nur kurze verdrehte Ausschnitte kamen. Über Fußball wurde länger und ausführlicher berichtet. Flüchtlinge habe ich auch nicht gesehen. Für die Kinder, die im Keller leben mussten oder gar gestorben sind, interessiert sich auch niemand. Und dann lese ich hier Kommentare darüber, ob afrikanisch angehauchte LEs rassistisch sind?! Das youtube-Video war sowieso zu einseitg, so dass ich darüber gar nicht reden will.
    Zum einen finde ich, dass es wichtigere Probleme auf der Welt gibt. Zum anderen sind religiöse Symbole im täglichen Gebrauch viel schlimmer als eine dunkelheutige Schönheit mit einem goldenen Schimmer im Gesicht. Aber das ist nur meine Meinung.
    Magi, meine Liebe zu dir bleibt trotzdem bestehen :*

    • Ohne herunterspielen zu wollen, was in der Ukraine vor sich ging und geht, finde ich das doch sehr schwierig, was Du schreibst. Man kann nicht jedes Medium in eine politische Plattform verwandeln und nur noch über das Leid der Welt berichten. Wer bestimmt, welches Leid tragisch genug ist, um thematisiert zu werden? Daher halte ich persönlich von der Wertung, was berichtenswert ist, wirklich wenig. Am Ende entscheidet der Leser / Zuschauer, was ihn interessiert. Wer Cultural Appropriation seines Horizonts nicht würdig erachtet, ist sicher in der Lage schnell wegzuklicken (oder gar nicht erst auf den Link) oder im Falle klassischer Medien hat man die Wahl, welche Nachrichtensendung man wählt oder welche Zeitung man liest. Wichtig ist, dass Wissen, Eindrücke, Meinungen geteilt werden – Du konntest es ja hiermit auch. Wenn Du also nach Deinen eigenen Regeln spielen würdest, hättest Du es Dir verkneifen müssen oder?

    • Ich muss mich leider korrigieren. Beim schreiben habe ich die ganze Zeit an den Westen gedacht.:D Ich komme aus der OSTukraine.

  19. Hallo!! 🙂
    Du bist die erste deutsche beautybloggerin, die mal was über cultural appropriation bringt und ich find das gerade soo klasse!! Und zu sehen, dass auch andere hierzulande sich gedanken machen anstatt sich komplett von der werbewelle mitreissen zu lassen, dann noch als nicht-poc (people of color), finde ich positiv überraschend. Als asiatin geht es mir schon ziemlich auf den sack, dass man gewisse asiatische völker immer so richtig plump und klischeehaft auf dem beautymarkt darstellen muss, und dabei sind wir so diverse!! Am besten sind diese “westliche” models, die so geschminkt werden, dass sie aussehen, oder eher versuchen auszusehen, wie frauen mit anderem ethn background (warum nicht gleich ein model aus dem spez land??). Naja, man könnte tagelang darüber reden, aber nochmal ein grosses dankeschön an dich! 🙂
    Ich kommentiere auch nie irgendwo, aber das musste jetzt mal sein, haha 🙂
    Ich hoffe den leuten ist klar, dass das meiste klischee ist, und sie nicht meinen, dass leute in zb japan sich tatsächlich so schminken, kleiden, etc.
    Keep up your great blog! 🙂

    • Hi, danke für das Feedback. Ich freue mich natürlich, wenn die Eindrücke bestätigt werden und nicht, dass es nur eine Aufregung seitens nicht-Betroffener ist und es Menschen anderer Kulturen eigentlich latte ist.

      Es ist natürlich auch stets ein wenig zu unterscheiden, ob kulturelles Gut angeeignet wird oder schlicht “nur” die Optik adaptiert wird. Denn man kennt ja nun zu gut Beispiele gerade aus Asien, wo es Mittelchen und Wege gibt einen westlicheren Look zu erzielen wird. Da werden dann auch keine kaukasischen Models genommen sondern eben Klebestreifen, Circle Lenses und Photoshop. Mal ohne darauf einzugehen, WARUM man anders aussehen möchte, ist natürlich der neugierigen Anwenderin in dem Fall ja GERADE ein Beispiel willkommen, wie es an einer Frau gleicher Ethnizität aussieht – ob nun der westliche Look an einer Asiatin oder umgekehrt. Ich finde aber, was die Modelauswahl ausgeht, dass es besser und besser wird – also die reine Präsentation ohne irgendwelche Symbole.

  20. Ich habe mich (als nicht-weisse Frau) schon lange mit kultureller Aneignung beschäftigt und, um ehrlich zu sein, sind “ethnische” LEs in meinen Augen
    einfach eine rassistische Mikroaggression, insbesondere wenn die Kosmetikmarken sonst nichts für nicht-weisse Frauen oder dunkle Hautfarben anbietet. Verkauft sich anscheined aber leider gut bei der weissen Mehrheit… Da fragt man sich, ob die Firmen immer wieder auf alte Stereotypen zurückgreifen muss, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken

  21. Was die immitation des “westlichen” looks angeht, muss ich dir größtenteils widersprechen. große augen sind in asien nach wie vor ein prominentes schönheitsideal (ist zwar besser geworden, aber..meh), welches viele asiaten aber von natur aus besitzen. Und die, die es nicht tun, wollen die “double eyelids” natürlich auch, so wie ich es beobachtet habe sind die ideale in asien (oder ostasien/südostasien) leider sehr…eingeschränkt(?), sprich es gibt keine besonders große vielfalt was das aussehen der “idealen frau” betrifft. Ich trage auch mal gerne farbige linsen, wer möchte nicht mal goldene augen 😀 asiaten unterscheiden sich voneinander auf den ersten blick nicht so sehr wie europäer (haarfarbe, augenfarbe), manchmal möchte man sich abheben. Ich kenne kaum asiatinnen die westlich aussehen wollen, natürlich gibt es ausnahmen, wie man auf yt und diversem sehen kann, aber die meisten wollen nur ihren look verändern, und große augen, eine schmale nase, sind nicht exklusiv merkmale der westlichen bevölkerung. Farbige linsen, haarefärben ist auch hier unter allen frauen präsent. Die meisten medien wollen einem immer verklickern, dass asiaten “westlich” aussehen wollen, aber wenn man mal mit vielen asiaten spricht, ist dies nicht der fall. Und die die es doch wollen…traurig. Von cultural appropriation spricht man ja nur wenn zb eine weisse französin sich so schminkt um asiatisch auszusehen (siehe diverse how to look korean oä videos auf youtube) Make up trends übernehmen, sich inspirieren lassen, ist kein ding und sogar cool!
    Es ist in der tat manchmal schwierig zu unterscheiden whats right, whats wrong. Seinen look verändern- cool, sich so zu geben damit man wie eine anderes ethn volk aussieht- nicht ok.

  22. Ich liebe es ausgehend von Makeup in eine gesellschaftskritische Materie vorzudringen!

    Ich hab mir auch das Video von Dani angeschaut, und finde es ebenfalls super! Denn ich muß zugeben, in einer solchen Tiefe hatte ich mir über dieses Thema zuvor noch keine Gedanken gemacht. Im Grundsatz bin ich auch einer Meinung mit ihr – so wie sie im einzelnen ihre vier Gedanken weiterspinnt, dann allerdings teilweise auch nicht mehr. Die Unterschiede zu meiner Sicht der Dinge lassen sich im Großen und Ganzen dahingehend zusammenfassen, daß meiner Überzeugung nach nicht jedes platte, blöde, unreflektierte oder auch rücksichtslose Verhalten bzw. Geschäftsgebaren inhaltlich als Rassismus zu bezeichnen und einzustufen ist. Auch dann nicht wenn es in einer Selbstbedienung an fremden Kulturgütern besteht. Es ist wie mit den Äpfeln und dem Obst: jeder Rassist ist ein Arsch, aber nicht jeder Arsch ist ein Rassist.

    Daß es beispielsweise FÜR UNS als cool und kreativ gilt, hierzulande fremdländische Traditionen aufzugreifen, nicht aber für hier lebende Migranten und die kulturellen Traditionen ihrer Herkunftsländer – das finde ich eigentlich nur logisch! Denn wer etwas für ihn selbst Fremdes aufgreift, der muß sich darüber informieren und sich darum bemühen – wohingegen z.B. Kleidung und Schmuck an Menschen entsprechender Herkunft auf den Betrachter eben viel weniger ungewöhnlich und aufsehenerregend wirken als an unsereins. Wenn in Japan oder Kenia jemand ein Dirndl trägt, einfach weil ers auf eine exotische Weise cool findet, würde ich mich davon auch in keinster Weise rassistisch auf irgendwelche Stereotype reduziert fühlen. Da hätt ich eher noch bei jemandem aus Norddeutschland entsprechende Gefühle, weil ich mir denk, Norddeutsche müßten wissen, daß wir Bayern nicht auf Trachten zu reduzieren sind – bei einem Ausländer dagegen würd ich mir einfach nur denken, der ist hier halt auf etwas gestoßen, das ihm gefällt. Den Anspruch daß er das kulturell, traditionell, sozial und historisch durchdringt – den hätte ich nicht. Und ich würde mir auch wünschen, daß man den an mich nicht stellt, wenn die Situation umgekehrt ist.

    Ich finde, dieser Punkt ist überhaupt eine gewisse Gratwanderung. Denn wenn man einerseits aus einer Kultur irgendwas kreativ heraus- und aufgreift, dann geht damit irgendwo schon auch die Verantwortung einher, über dessen Bedeutung Bescheid zu wissen. Umso mehr, wenn dieses Etwas kommerziell genutzt wird. Andererseits (und eben im Gegensatz dazu auch insbesondere für den privaten Bereich) denke ich mir – ich muß nicht die komplette japanische Kultur durchdringen um Geisha-Makeup schön zu finden, und das moralische Recht zu haben, dieses bzw. Elemente daraus für mein eigenes Makeup aufzugreifen. Und für mich macht es da auch keinen Unterschied, ob es sich um das ehemals zu großen Teilen von europäischen Ländern kolonial unterworfene Afrika handelt, oder um eben zum Beispiel Japan – also ein Industrieland, bei dem keine Rassismusproblematik im Raum steht, und mit dem Europa auch (vergleichsweise fast) keine belastete Geschichte verbindet. Für mich ist das alles viel mehr ein kulturelles und wirtschaftsethisches Fehlverhalten, als ein rassistisches.

    Ein Punkt den ich im Video sehr wichtig fand, und den ich mir so auch noch nie vergegenwärtigt hatte: daß ständig irgendwelche (noch dazu als “afrikanisch” verallgemeinerten) Klischees ausgetrampelt werden, aber es für schwarze Frauen so gut wie keine passenden Teintprodukte gibt hierzulande. Gerade letzteres sehe ich – eben im Gegensatz zu dem gerade geschilderten Komplex – tatsächlich als rassistisch an. Zwar könnte man damit dagegenhalten, daß es auch die ganz hellen Farben nicht gibt, aber seis drum. Das finde ich echt auch unter Rassismus-Gesichtspunkten absolut nicht in Ordnung.

    Rein ästhetisch sprechen mich diese Tribal Sachen persönlich nicht an. Null. Das muß ich einfach so sagen. Ganz allgemein begeistern mich beispielsweise asiatische oder arabische Kunst und Kultur (um etwas aus unserer Sicht ebenfalls “Exotisches” zu nennen) bedeutend mehr als afrikanische. Umso ärgerlicher finde ich es insofern, daß gerade Anlehnungen an letztere immer und immer wieder aufgewärmt werden, und das auch noch immer und immer wieder auf eine ähnlich tendenziell etwas billige Art. Als ob man “Sommer” nur mit (stereotypen) Afrikanismen abbilden könnte! Was für ein Bullshit! Ungeachtet meines individuellen Geschmacks ist das ebenso kreativ arm wie das ebenso zuverlässig jährlich aufgewärmte Bronzerthema…

    Um nu zum zweiten Punkt zu kommen: mit religiös angehauchten Symbolen als Schmuck, Deko oder auf Kleidung hab ich überhaupt kein Problem. Ich bin zwar ebenfalls katholisch und auch gläubig, aber ich kann nichts Verwerfliches daran finden, in einem Kreuz einfach nur eine Form zu sehen, die man sich auch ohne Bedeutung um den Hals hängt. Das selbe gilt für irgendwelche Ikonenbilder oder Ähnliches. Warum sollte man die nicht auch ohne tieferen Sinn schön oder stylisch finden? Auch hier muß ich zwar sagen – nicht mein Geschmack, aber wers mag… Ich weiß nun zwar ehrlich gesagt nicht, was Du meinst bzgl. Deiner Erfahrung mit Religiösität in Polen, und was das mit diesen Modeaspekten zu tun hat, ich kann nur sagen, ein glaubensmäßiges Selbstverständnis, das sich von sowas irgendwie tangieren ließe, ist mir persönlich unvorstellbar. Gleiches gilt für meine grundsätzliche Offenheit anderen Geschmäckern oder Geisteshaltungen gegenüber.

    Ein Bekannter von mir ist fanatischer, missionarischer Atheist (was ironischerweise ja absolut auch eine Form religiösen Fundamentalismuses darstellt), und läuft ständig in T-Shirts mit einem rot durchgestrichenen Kruzifix / Jesusportrait / Foto vom Petersdom herum – wenn überhaupt dann fühl ich mich von sowas auf den Schlips getreten, weil das so eine offene Disrespect-Bezeugung Gläubigen gegenüber, also auch mir persönlich gegenüber, ist. Ich trag ja auch kein T-Shirt auf dem Steht “Atheismus, nein danke”, nur weil ich selber zufällig kein Atheist bin.

  23. Ganz ehrlich, ich finde diese Idee mit der “kulturellen Aneignung” einfach nur idiotisch. Dürfen jetzt z.B. japanische Klaviervirtuosen nie mehr Bach spielen, weil sie sich damit unsere Kultur “aneignen”? Oder darf ich als Künstlerin nicht mehr grafisch darstellen, nur weil es irgendwo anders irgendein Symbol ist? Woher denkt ihr denn kommt Kunst? Man nimmt irgendetwas, ein Symbol, eine Farbe, einen Gegenstand, usw., verwertet es neu und kreativ, egal was es vorher war. Damit entsteht etwas neues und das ist kreativ. So arbeiten Künstler schon immer. Und jetzt sollen wir Denkverbote bzw. Kreativitätsverbote bekommen, nur weil irgendwelche politisch überkorrekten Dummschwätzer oder dauerbeleidigte Angehörige von Ethnien, Kulturen oder was auch immer meinen, so müsste es sein? Nö, danke. Hoffentlich erledigt sich dieser Schwachsinn bald von selbst. Ich jedenfalls kann den Käse nicht mehr hören.

    • Das sind zwei Paar Schuh. Wenn Du den Unterschied zwischen Deinem Beispiel und dem im Beitrag nicht verstehst, wundert es mich natürlich nicht, dass Du so aggressiv reagierst. Grundsätzlich habe ich wenig Verständnis für jene, die anderer Leute Gedanken als Schwachsinn betiteln.

      • Also ich bin in dieser Radikalität nicht Danas Meinung, nicht annähernd, und ich persönlich würde mich in diesem konkreten Fall hier auch und gerade öffentlich, schriftlich nicht so ausdrücken. Eben weil es sich, wie Du richtig sagst, gegen jemandes Anderen Meinung richtet. Grundsätzliches Verständnis dafür, daß einem der Political Correctness Komplex in all seinen Facetten zu weit geht, habe ich aber – das tut er mir ehrlich gesagt bisweilen auch.

        Und – und daher schreibe ich v.a. nochmal – abgesehen davon daß man sagt, eine andere Ausdrucksweise wäre höflicher und angebrachter hab ich, seit ich diesen Kommentar von Dir gelesen hab (nicht lachen!) viel über “Schwachsinn” nachgedacht… Es ist natürlich ganz und gar unzweifelhaft daß Du das Recht hast zu sagen, “solche Äußerungen will ich auf meinem Blog nicht”. Aber mal losgelöst hiervon betrachtet – bist Du nicht der Meinung, man hat das Recht Dinge / Umstände / Meinungen / Interpretationen “schwachsinnig” zu finden??? Ich mein, alles, alles, alles, was man sagen und denken kann, ist in irgendeiner Weise definitiv die Meinung bzw. das Gedankengut von jemand Anderem; wenn ich das jedoch für völlig falsch, einen absoluten Holzweg, und persönlich oder gesellschaftlich abträglich halte, meinst Du nicht, ich sollte das dann “Schwachsinn” nennen dürfen? Auch öffentlich??? Also wie gesagt, jetzt mal unabhängig von Deinem Blog betrachtet.

        • Ich habe meine Wortwahl sehr bewusst getroffen, u.a. eben auch das “betiteln” und bewusst nicht “finden” – und auch das Resultat: nämlich mein fehlendes Verständnis und sonst grundsätzlich nix.

          Es ist eher so: Wer in einer öffentlichen Runde wie hier oder beim Small Talk bei irgend einem Meeting whatever die Meinung anderer als schwachsinnig tituliert, dessen Meinung wird in meinem Kopf automatisch als irrelevant “vermerkt”. Das ist auch unabhängig von meiner Gastgeberrolle hier.

          Ich habe es eben noch einmal gegooglet, weil es auch nicht das erste mal ist, das ich auf diesen “Kampf gegen Schwachsinn” angesprochen werde :rotfl:, aber ich scheine mit meiner Intuition, dass es mehr als nur “Unsinn” heißt, gar nicht so falsch zu liegen:

          http://de.wikipedia.org/wiki/Schwachsinn

          Mir ist zwar klar, dass oft zwar “Unsinn” gemeint ist, aber ich bin mir sehr, sehr sicher, dass eben bewusst nicht “Unsinn” gesagt wird, weil bei “Schwachsinn” eben auch ein Hang von Abschätzung mitschwingt – gerade wenn man versucht einen besonders gebildeten Eindruck zu hinterlassen, kann man davon ausgehen, dass eben nicht die umgangssprachliche Form gemeint ist.

          Ich kann es eben nicht ohne den Kontext wahrnehmen, in dem “Schwachsinn” gerne jongliert wird: in emotionsgeladenen Diskussionen bei lauter Stimmte und Ausrufen statt vollständigen Sätzen. Ich kann mich nicht bewusst daran erinnern, dass jemand “schwachsinnig” in einer neutralen, respektvollen Konversation benutzt.

          Ich kann mir auch nicht erklären, warum ich sensibilisiert bin für ausgerechnet diesen Begriff bin. Da ist einfach immer eine eingebaute Aggressivität implementiert wie bei manchem Blush der Glow :beauty:

          Unterm Strich ist es also nicht, dass ich jemandem absprechen wollen würde den Begriff zu benutzen – im Gegenteil. Es hilft gerade bei langen Diskussionen zu filtern, welche Kommentare überlegens- und welche überlesenswert sind.

  24. Ich finde deinen Beitrag unglaublich wichtig, um sich mehr Gedanken zu machen was cultural appropriation in der Beauty-Welt bedeutet und ggf. anrichtet. Auch in der Mode selbst kommt das ständig auf und mir ist ebenfalls nicht wohl dabei, wenn andere sich daran bedienen (Mode wie Make-Up).

    Es ist halt eine Maschinerie die kaum zu bremsen ist, da Marken sich wie schon mehrmals genannt Jahr für Jahr bestimmte Aspekte einer Kultur aneignen. Die Frage ist wo fängt Inspiration an und wo hört die Aneignung auf? Wenn man kräftige Farben für den Sommer bewirbt ist es dann nötig schwarze Frauen für die Kampagnen zu wählen?

    Ich habe vor Kurzem einen Beitrag (http://yasminnasrud.in/post/121108326684/warum-ignoriert-die-deutsche-kosmetikindustrie) geschrieben, in dem ich das Thema kurz anreiße, aber mich vor allem auf die Ignoranz der Kosmetikindustrie fokussiere. Man schminkt schwarze Frauen “afrikanisch,” aber junge, schwarze Mädchen finden in den Drogieren dann nicht mal die passende Foundation oder den passenden Concealer um die Haut auch ebenmäßig und strahlend zu zeigen.

    Man könnte natürlich auch so weit gehen das die Aneignung und Ignoranz der Industrie regelrecht rassistisch ist. Das muss aber jede Konsumentin selbst entscheiden, ob man die Vermarktung solcher Produkte als ebensolches auffasst.

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