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Keratosis Pilaris: was hilft gegen Reibeisenhaut?

Kleine, rote “Pickelchen” auf Armen und Beinen? Keine Sorge, Keratosis Pilaris (KP) ist nicht ansteckend und nicht bedrohlich. Zugleich gibt auch keine Medizin dagegen, weil es keine Krankheit ist.

Reibeisenhaut handelt es sich um eine Verhornungsstörung in den Haarfolikeln. Aus einem überschüssig produziertem Keratin bilden sich kleine, feste Knötchen. Sie fühlen sich rau an und sehen wie gerötete Gänsehaut aus. Sie sind nicht “gefüllt”, lassen sich also nicht etwa ausdrücken. Man kann sie aber durchaus abkratzen, ohne dass automatisch eine offene Wunde entsteht.

Durch diesen “Panzer” ist die Haut zwar durchaus robust und “Erdbeerhaut” tut per se nicht weh. Wer mit ihr lebt, weiß aber, dass sie sich durchaus unangenehm anfühlen kann. Die erhabenen Stellen reiben beispielsweise an groben Stoffen und bleiben hängen, was vergleichbar ist, wenn man mit verhornten Fußsohlen an Strumpfhosen entlang fährt. Besonders unangenehm ist aber das Gefühl in den Handflächen beim Eincremen.

Was hilft gegen Reibeisenhaut

Da es sich um eine Hautbeschaffenheit handelt wie etwa glattes Haar. Es gibt kein Medikament, mit dem man es langfristig oder gar für immer beseitigen könnte.

Die Ausprägung der Reibeisenhaut kann je nach Lebensphase schwanken. Bei vielen Betroffenen verschwindet sie im Erwachsenenalter. Auch wird es besser, wenn das Wetter warm ist, z.B. im Sommer oder im Urlaub.

Man kann etwas gegen die Symptome von Keratosis Pilaris tun, der Effekt ist jedoch stets kurzfristig.

  • regelmäßig Eincremen, um Haut geschmeidig zu halten
  • Austrocknung reduzieren (keine heiße und lange Dusche)
  • Verhornung der Haut vermindern, z.B. durch chemische Peelings
  • Reibung durch enge, widerstandshähige Kleidung vermindern
  • ggf. Duftstoffe als Irritans meiden

Ob mit oder ohne einen aktiven Wirkstoff: konsequent tägliches Eincremen ist grundlegend für eine Linderung.

WirkstoffFunktionsweiseVorteileNachteileProduktbeispiele
reichhaltige Cremeserhöhen die Geschmeidigkeit der Haut– flexibel, günstig– nur sehr leichte Linderung und auch nur bei min. täglicher Anwendung
Urea
(Harnstoff)
wirkt keratolytisch » Keratinansammlungen werden weicher, unscheinbarer – effektiv (in höheren Konzentrationen)
– viele Produkte auf dem Markt (oft auch ohne Duftstoffe)
– günstig
– feuchtigkeitsspendend
– Produkte über 20% noch rar gesät
Tipp: mit Fußcreme Effekt & Verträglichkeit testen
– klebrig
– kann britzeln, ggf. Bereiche Aussparen
* Balea Med 15% Urea
* Eucerin Roughness Relief (US)
* Dermasence Adtop Plus 40
Chemische Peelings: AHA
(Alpha-Hydroxy Säuren)
wirken keratolytisch– effektiv (in höheren Konzentrationen)
– Milchsäure ist feuchtigkeitsspendend & kollagenanregend
– Produktauswahl klein, verwirrend und teils irreführend (zu hoher pH-Wert für Wirksamkeit)
– teuer
– Geruch (z.B. bei Milchsäure aus Ammonium Lactate)
* Paula’s Choice Skin Revealing Body Lotion 10% AHA
* First Aid Beauty KP Smoothing Body Lotion with 10% AHA
* Dermasence AHA Body & Face Lotion
Chemisches Peeling: BHA
(Salicylsäure)
dringt tiefer in Haarfollikel, weil es öllöslich ist– kann andere Wirkstoffe tiefer einschleusen
– auch interessant für Akne, z.B. am Rücken, kann aber auch im Gesicht funktionieren (siehe Talk »)
– wenige Produkte
– teuer
– eventuell austrocknend
– höhere Konzentrationen in Body-Produkten in der EU nicht länger erlaubt, wegen großflächiger Anwendung
Paula’s Choice 2% BHA Body Spot Exfoliant
Retinol
(Vitamin A)
beschleunigt Hauterneuerung– langfristig bestenfalls weniger ausgeprägte Knubbel
– zugleich Anti-Aging
– sehr teuer
– wenige Produkte
– konsequenter Sonnenschutz notwendig
– Wirkung braucht viel Zeit
Paula’s Choice Skin Smoothing Retinol Body Treatment
Mechanische Peelings
z.B. grobe Produkte (Zucker, Salz, gemahlene Schalen oder Tools wie Peeling-Handschuhe, Luffa, Bimsstein)
“hobelt” Hubbel ab– Sofortwirkung
– sehr viele Produkte verfügbar
– günstig
– schmerzhaft
– verletzt ggf. nicht betroffene Stellen
– Effekt kurzlebig und in Relation zum Schmerz nicht immer verhätnismäßig
– mechanische Irritation kann Verhornung verstärken
First Aid Beauty KP Bump Eraser Body Scrub
Spa Maroc Peeling-Handschuh
Alternative Peeling-Handschuhe

Milchsäure als KP-Treatment

Als chemisches Peeling und Feuchthaltemittel kombiniert Milchsäure zwei Eigenschaften, um Keratosis Pilaris zu mindern und ist Glykolsäure etwas überlegen, die nur peelend wirkt. Man findet sie unter unterschiedlichen Namen in der Inhaltsstoffliste, von denen jedoch nicht alle exfolierend wirken:

  • Lactic Acid – pure Säure, pH sollte < 4.5
  • Ammonium Lactate – setzt pure Milchsäure frei, wirkt auch bei höherem pH-Wert
  • Sodium Lactate – nur Feuchthaltemittel
  • Potassium Lactate – nur Feuchthaltemittel

Die Besonderheit bei Ammonium Lactate ist, dass es selbst bei hautneutralem pH von 5 bis 6 noch funktioniert, weil pure Milchsäure freigesetzt wird. Das gleiche gilt auch, wenn statt Sodium Hydroxide als Neutralisationsmittel das Ammonium Hydroxide eingesetzt wird.

Charakteristisch für Produkte mit Ammonium Lactate ist, dass er bei der Anwendung Ammoniak freisetzt (hier unbedenklich) und entsprechend einen nicht gerade beliebten Duft verbreitet.

ACHTUNG: es gibt erschreckend viele Produkte, die mit AHAs und Fruchsäuren auf der Verpackung werben jedoch keine keratolytischen Säuren wählen, sie nicht hoch genug dosieren oder den pH-Wert nicht anpassen.

Machen mechanische Peelings es schlimmer?

Vom Hornhauthobeln an Füßen wird stets abgeraten, weil es die Haut dazu anregt vermehrt Hornhaut zu bilden. Das ist logisch, wenn man bedenkt, dass Hornhaut besonders strapazierte Bereiche schützen soll.

Nun könnte man vermuten, dass “Keratinknubbel” ebenfalls intensiver oder schneller zurückkommen, wenn man sie mechanisch abreibt. Man irritiert mit jedem Schrubben durch mechanische Peelings oder Tools die Haut, so kann die Haut tatsächlich zu Neubildung verhornter Haut angeregt werden. Der Effekt sollte individuell ausfallen. Man sollte es daher ruhig bei sich eine Weile genauer beobachten.

Pickel durch CeraVe Bodylotion im Gesicht statt Hautcreme verwenden
unser Dirty Beauty Talk »

Reibeisenhaut im Gesicht

Die Verhornungsstörung macht sich vor allem an den Rückseiten von Armen und Beinen und am Po bemerkbar, dennoch ist eine gröbere Haut anderswo durchaus möglich.

Nicht so sehr sichtbar, aber spürbar ist es bei Magi am Kiefernknochen außen. Die Haut verhornt hier recht schnell und ist rau. Obwohl die anderen Gesichtspartien nicht per se betroffen sind, hat man den Eindruck, dass die gesamte Haut etwas robuster ausfällt. Zugleich könnte es durchaus auch Pickel begünstigen.

Magis Erfahrungsbericht

Ich habe seit meiner Kindheit Reibeisenhaut. Sie wurde nach der Jugendzeit nicht weniger und unterliegt nur sehr geringen Schwankungen. Eine Phase ohne die roten Stellen hatte ich nie.

Mechanisches Peeling

Als kleines Kind wurden die betroffenen Bereiche von meiner Familie mit Bimsstein behandelt. Das behielt ich aus Gewohnheit lange bei, bis ich auf sanftere Peeling-Tools wie Handschuhe oder Luffa umgestiegen war.

Rückblickend kann ich nicht behaupten, dass die Maßnahmen bereichernd waren. Die Knubbel waren nie gänzlich weg, rote Punkte blieben immer und nach wenigen Tagen fing alles von vorn an. Die Maßnahme verbuche ich heute als Seelentrost für Angehörige, die so immerhin den Trost hatten etwas dagegen getan zu haben.

Dennoch nutze ich weiterhin regelmäßig einen der moderneren Peeling-Handschuhe und bin seit Jahren ein Fan der SpaMaroc First Class Textur (ehemals KissMee, unser allererster Sponsor in den Anfängen von MAGIMANIA). Ich habe einige Alternativen von Amazon ausprobiert. Die sind okay, oft ähnlich der “Classic”-Version beziehungsweise die aus Bambus wiederum sanfter. Eine echte Alternative für den First Class habe ich jedoch dabei nicht entdeckt und werde, wenn sie zerfallen, wieder darauf zurückkommen.

Peeling-Handschuhe KissMee SpaMaroc Amazon
Peeling-Tools: Rückentuch, alter KissMee First Class (ausrangiert, wird gelegentlich zum Putzen genommen) und ein Bambus-Handschuh von Amazon (derzeit in Benutzung)

Wirkstoffe

Urea war der erste Wirkstoff, den ich bewusst zur Behandlung wahrgenommen habe – primär durch Magazine. Später bestärkte auch einer von drei Dermatologen die Anwendung, sagte jedoch nichts zur Konzentration. Ein individuell angemischtes Produkt habe ich nicht erhalten.

Die anderen Dermatologen waren entweder überfordert oder nutzten diese unbedenkliche Krankheit, um einige teurere Tests in Rechnung stellen zu können, z.B. einen umfassenden Allergietest.

Urea Creme Harnstoff Kosmetik weiche Haut Feuchtigkeit

Da man lange Zeit eigentlich nur 10%ige Body Lotions kaufen konnte und die Effekte damit nicht wirklich nennenswert bei mir waren, war ich als Schülerin zu geizig dafür.

Erst durch Agatas Beiträge zu AHAs habe ich es mal mit Glykolsäure probiert – meinen ernüchternden Erfahrungsbericht von 2014 kann man hier lesen. Darin hatte ich auf das pH-Wert-Problem von vielen Fruchsäureprodukten auf dem Markt hingewiesen.

Bodylotion Keratosis Pilaris Reibeisenhaut Urea AHA Milchsäure Glycolsäure Salicylsäure BHA Isana CeraVe Eucerin Alactin First Aid Beauty KP
Akutell neben dem Bett…

Lifestyle

Ich erinnere mich nicht mehr, wer mir dazu riet auf die Sonnenbank zu gehen. Da es zur Jahrtausendwende jedoch sowieso eine recht populäre Praxis war, bin ich über rund zwei Jahre wöchentlich ins Solarium. Mir gefiel natürlich auch die Bräune, ich war jedoch stets vorsichtig und machte auch mal den Gesichtsbräuner aus. Bestenfalls verschaffte es eine minimale Linderung. Vermutlich handelt es sich um die optische Täuschung, weil der Kontrast zur blassen Haut nicht mehr so intensiv nach dem Bräunen ist und die Punkte nicht mehr so sehr auffallen.

Ich bin am Meer aufgewachsen und war im Sommer täglich baden: auch Meerwasser sorgt bei mir für etwas weichere Haut, aber unterm Strich keine gravierende Verbesserung.

Ähnlich ist es mit der Ernährung: selbst bei sehr hautfreundlicher Ernährung ohne Zucker, wenig Milchprodukten und selektierten Supplementen wurde die Haut bestenfalls etwas weicher. Da ich in dieser Zeit aber auch verstärkt gecremt habe, würde ich es nicht direkt den Lebensmitteln zusprechen.

Durch Rasur auch an den Armen konnte ich keinen Unterschied feststellen. Meine Erfahrnungen mit dem Epilieren waren zu kurz, um etwas beobachten zu können.

Das regelmäßige Cremen, auch ohne Wirkstoffe, ist das einzige, das einen nennenswerten Unterschied bei mir macht.

Fazit

Ich würde meine Hand nicht ins Feuer dafür legen, dass Urea, AHA und BHA bei mir einen krassen Effekt erzielt haben, weil mit keinem davon die KP unsichtbar wurde. Wobei im Fall von Urea noch Luft nach oben ist und das nächste Ziel höhere Konzentration sind.

Einerseits stirbt die Hoffnung zuletzt. Darum habe ich phasenweise Motivation neue Produkte auszuprobieren. Diese werden ähnlich lang von Phasen abgelöst, während denen ich gar keine Lust habe mich ständig einzucremen und genervt davon bin, dass beim Schmieren die Händflächen so “gereizt” werden. In den letzten Jahren war ich jedoch deutlich konsequenter als früher.

Mittlerweile bin ich dennoch relativ ernüchtert, welche Erfolge zumindest bei mir möglich sind. Ich habe es allerdings nie als so dramatisch empfunden. Das liegt sicherlich daran, dass ich andere “Baustellen” habe, die ich als deutlich schlimmer empfinde, z.B. mein schütteres Haar. Ärgern tut es mich jedoch, weil es unmöglich ist Selbstbräuner auf Reibeisenhaut zu verwenden: das Ergebnis wird absolut unansehnlich.

Links

Produkte gegen Keratosis Pilaris

Das Produkt von CeraVe ist derzeit nicht bestellbar.

Autor

DIRTY BEAUTY TALK mit Magi & Marek – jeden Sonntag um 11 Uhr (und manchmal auch donnerstags)…

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3 Kommentare
  1. Hallo Magi,
    danke für den hilfreichen Bericht, ich habe auch seit meiner Jugend KP, es ist mit den Jahren (bin jetzt 38) jedoch etwas besser geworden. Bei mir bewirkt regelmäßiges Cremen mit der Neutrogena Bodylotion (ich nehme die blaue, es gibt auch noch eine unparfümierte Version) eine deutliche Verbesserung gebracht. Ich glaube, von den INCIs her ist die gar nicht so dolle, aber das interessiert mich nicht, solange sie wirkt.

    Liebe Grüße,
    Nadine

    • Hallo! Danke für die vielen Produkttipps! Ich hatte in meiner Teenagerzeit eigentlich nie Probleme mit KP – bemerkt habe ich sie erst Ende 20. Den Duft meiner Creme mit Lactic Acid halte ich nur schwer aus. Glycolsäure hat fast nichts bewirkt. Am meisten Erfolg hatte ich tatsächlich mit mechanischen Peelings und viiiiiel Eincremen. Aber das erfordert halt “Hingabe”, also Konsequenz. Und die vermisse ich gelegentlich :-). Die Neutrogena und Eucerin Cremes werde ich mal probieren!

    • Die ist super als Basispflege. INCI aus Pflegesicht optimal. GEGEN KP ist es nicht direkt wie Exfoliants, aber Hauptsache Erfolge!

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