ConcealerDirty Beauty Talk

Arsen in Concealer – wie ernst ist es?

Die Öko Test hat in einem Concealer Arsen gefunden und stuft ihn als krebserregend ein. Wie kann es sein, dass ein solches Produkt frei verkäuflich ist – oder ist es nicht ganz so einfach?

Marek, der Chemiker unseres Vertrauens, erklärt an diesem Beispiel, wie es zu solchen Funden kommt und mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist. Berechtigtes Urteil oder verkaufsfördernde Panikmache in unserem neuesten Dirty Beauty Talk.

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Concealer im Öko Test

Für die November-Ausgabe des Öko Test Magazins wurden 20 Concealer getestet, von denen acht als “ungenügend” eingestuft wurden. Zu Abwertungen führen in erster Linie die Präsenz von Stoffen, die nach dem Maßstab der Öko Test als bedenklich gelten, mit jeweils einer bis vier Noten. Darüber hinaus wurde auch die Verpackung in das Testergebnis einbezogen. Die Performance wurde nicht bewertet mit dem Hinweis, man habe die Produkte nicht auf die (vom Hersteller versprochene) Wirksamkeit hin geprüft.

Die redaktionelle Eileitung vor der Tabelle der Testergebnisse widmet einen Absatz dem Thema Arsen. Eine große Headline in roten Buchstaben warnt “Krebserregende Stoffe im Concealer? Muss nicht sein – es gibt gute Alternativen.”

MAC Studio Waterweight Concealer

Als einziges Produkt im Test wurden bei diesem flüssigen Concealer mit Pipette Arsen gefunden. Insgesamt ist es aber nicht das einzige Produkt auf dem Markt: auch in anderen Ausgaben wurde es vereinzelt, z.B. in Mascara, nachgewiesen. Der Legende zur Tabelle nach werden vier Notenpunkte abgezogen, wenn der von der BVL festgelegte Richtwert von 0,5mg pro Kilogramm (0,5mg/kg = 5ppm) für die technische Vermeidbarkeit von Arsen in kosmetischen Produkten überschritten wurde.

Es ist nicht die einzige Kritik am Produkt. Der Alleinige Fund von Arsen würde nicht zu einem Gesamturteil “ungenügend” führen. So belegt der Concealer nicht einmal den letzten Platz, sondern den sechst-letzten, obwohl er laut Öko Test krebserregend ist.

Öko Test Concealer Arsen Cover 2020 11 November
Öko Test Cover: Ausgabe 11/2020 – auch in Bibliotheken einsehbar und entleihbar

Kritik

Dass man Arsen auch in seiner Kosmetik nicht sehen möchte, ist selbstverständlich, aber nicht immer vermeidbar. Anderenfalls wäre die Richtlinie des BVL sicherlich ein Verbot. Als kritisch sehen wir die Kommunikation der Testergebnisse.

“Krebserregend” suggeriert ein drastisches Gesundheitsrisiko. Eine der Konzentration angemessene Relativierung wäre wünschenswert, denn schließlich macht die Dosis das Gift und auch Luft und Sauerstoff können tödlich sein.

Dass trotz Anheizen durch Headlines über potenziell tödlichen Ausgang durch die Anwendung eines Concealers die Präsenz von Arsen “nur” zur Abwertung um zwei Noten führt, erscheint dann doch widersprüchlich. Doch nur halb so wild?

Statt den konkreten Wert zu veröffentlichen, erwähnt man nur, der Richtwert sei “gerissen worden”. Stark genug, um daraus eine beängstigende Rotschrift zu verwenden, nicht genug, um den letzten Platz zu belegen?

Problematisch ist, dass andere Medien auf die Ergebnisse des Tests hinweisen und sich erwartungsgemäß auf die Headlines stü(r)zen, z.B. Utopia: “Krebserregendes Arsen und Formaldehyd: Concealer enttäuschen bei Öko Test“, und legt mit dem Hinweis, dass Arsen ja auch ein Nervengift ist, noch eine Schippe Angst nach.

Die Richtwerte für Schwermetalle sind nicht weltweit gleich. Health Canada beruft sich in seinem Leitfaden für Schwermetalle in Kosmetik auf den Grenzwert der FDA von 3 ppm in kosmetischen Produkten. Interessant wäre, ob auch dieser Wert “gerissen” wurde.

Erwähnenswert ist zudem, dass der Richtwert des BVL in beispielsweise Theaterschminke bei 2,5mg/kg liegt.

Wie immer bedauerlich bei der Öko Test: Bestnoten trotz deklarationspflichtiger Duftstoffe.

Fazit

Ist die Anwendung des Concealers nun potenziell tödlich? Wir bezweifeln es. Während sich Arsen durchaus in Keratin anreichern kann, allem voran in Haut und Haar, kann die Haut es kaum absorbieren. Die Menge, die in den Organismus gelangen kann, empfinden wir als vernachlässigbar und sehen kein Risiko darin ein solches Produkt zu verwenden.

Vielmehr werfen wir der Öko Test wie bei den meisten Tests Panikmache vor, die traurige Konsequenzen nach sich zieht. Wir würden uns mehr Transparenz und Objektivität im Umgang mit den Laborwerten wünschen, damit die LeserInnen des Magazins nicht unnötig verängstigt werden. Denn auch Stress macht Krebs.

Autor

DIRTY BEAUTY TALK mit Magi & Marek – jeden Sonntag um 11 Uhr (und manchmal auch donnerstags)…

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